Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

Zukünftige Stadtentwicklung

Kraene

Schaffung eines Leitstandortes

Wien ist ohne Frage ein attraktiver Standort. Neben den vielen Neugründungen wählt bereits jedes zweite Unternehmen, das nach Österreich kommt, Wien als Standort. 2006 waren dies allein knapp 250 Firmen. Mittlerweile haben sogar 300 internationale Konzerne ihre CEE-Zentrale in Wien. Unsere Stadt punktet vor allem mit ihrer Lebensqualität, dem hohen Anteil an universitären und betrieblichen Forschungseinrichtungen, den gut ausgebildeten Fachkräften sowie ihrer Drehscheiben- und Brückenfunktion zwischen Ost- und Westeuropa.

Wien wächst um 25 Prozent
Um aber die zukünftigen Herausforderungen bestmöglich zu meistern, muss sich die Stadt weiterhin strategisch mit den Themen Stadtentwicklung und neue Impulse befassen. Im Vergleich zu den stagnierenden Bevölkerungszahlen der Vergangenheit wird für Wien seitens der Statistik Austria ein Wachstum von 25 Prozent in den kommenden 30 Jahren prognostiziert. Das erfordert einen neuen strategischen Zugang nicht nur im Bereich des Wohnbaus, sondern auch bei der Bereitstellung von Betriebsflächen. Daneben gewinnt die Bestandspflege bereits ansässiger Unternehmen und das Holen neuer Betriebe zunehmend an Bedeutung. In Zukunft werden die Felder Life Science, Energie- und Umwelttechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnik für den technologieorientierten Standort Wien noch mehr an Bedeutung gewinnen. Bereits heute beschäftigen rund 140 Wiener Unternehmen der Life Science-Szene 10.000 Mitarbeiter.

Aspern als Wiens Leitstandort
Um sich im internationalen Wettstreit der F&E-Standorte positionieren zu können, muss in Wien ein Leitstandort entwickelt werden. Das Flugfeld Aspern bietet die Chance, einen solchen Standort zu entwickeln, da ausreichend Erweiterungsmöglichkeiten bestehen, damit sich Spin Offs in der Nähe von Forschungseinrichtungen ansiedeln und andere Firmen anziehen. Nach derzeitigem Konzept ist aber für das 200 Hektar große Areal in Aspern nur ein kleiner Teil, weniger als ein Viertel, ausschließlich für produzierende Betriebe vorgesehen. Leider gibt es zudem derzeit wenig konkrete Hinweise, dass Forschungsinstitutionen oder Universitäten das Angebot in größerem Ausmaß annehmen werden. Es steht zu befürchten, dass große Teile des wertvollen Areals vorwiegend durch Wohnbau belegt werden, anstatt etwa spezielle Wohnangebote für internationales Forschungs- und Lehrpersonal bereit zu stellen. Die Anbindung an U-Bahn und Südost-Tangente sei erst für 2012 bzw. 2015 geplant. Damit besteht die Gefahr, dass der neue Stadtteil an Attraktivität verliert.

Vorbild Berlin-Adlershof
Als Vorbild sieht man den Standort Berlin-Adlershof, der zu den erfolgreichsten Hochtechnologiestandorten Deutschlands zählt. Seit 1991 entsteht dort ein integrierter Wissenschafts-, Wirtschafts- und Medienstandort, eingebettet in ein städtebauliches Gesamtkonzept. Der Erfolg von Adlershof liegt darin, dass es bei der Bereitstellung der Flächen von Anfang an eine klare strategische Ausrichtung für das gesamte Gebiet gegeben hat.

Um Unternehmen und Forscher nach Wien zu holen, muss man ihnen also etwas bieten: eine gute Verkehrsanbindung, ausreichend Betriebsflächen in eigens gewidmeten Gebieten ohne gemischte Nutzung, Erweiterungsmöglichkeiten für Spin Offs und zuziehende Firmen sowie eine Mischung von Gewerbe, Forschung und Wissenschaft. Der vorliegende Masterplan Aspern muss im Sinne eines Leitstandortes weiterentwickelt werden, damit Wien auch noch in den kommenden Jahrzehnten für Betriebe attraktiv bleibt.


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