13.06.2013
Seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten gilt in der EU der sogenannte Stabilitäts und Wachstumspakt. Er soll sicherstellen, dass die EU-Mitgliedstaaten durch eine verantwortungsvolle Haushaltspolitik und laufende Reformen zum größtmöglichen Erfolg des gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraums beitragen. Wirklich ernst genommen wird der Pakt aber erst, seitdem die europäische Schuldenkrise auf schmerzhafte Weise gezeigt hat, dass es ohne Disziplin, strenge Regeln, verbindliche Standards, Ziele und Zeitpläne nicht geht. Eben daran erinnert in regelmäßigen Abständen die EU-Kommission, wenn sie - wie jüngst geschehen – sich mit ihren Empfehlungen an die EU-Mitgliedstaaten richtet.
Gehören zu den besten Wirtschaftsräumen der EU
Der an Österreich gerichtete Empfehlungskatalog ist in zweifacher Hinsicht als Chance zu sehen. Denn einerseits macht er deutlich, dass wir mit unserer Wirtschaftsleistung, dem Know-how unserer Unternehmen und der guten Fachkräfteausbildung zu den besten Wirtschaftsräumen der EU gehören und ein wichtiger Stabilitäts- und Wachstumspol sind. In eben dieser Stärke liegt die Chance, unseren Weg der Leistungsorientierung, des gelebten Unternehmertums und des fairen Miteinanders weiterzugehen. Andererseits zeigen die jüngsten Empfehlungen der EU-Kommission, in welchen Bereichen Österreich noch besser werden kann. Beispielsweise im Bereich der Vermeidung von Kompetenzzersplitterung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden in Finanzfragen, wo die EU unter anderem kritisiert, dass die Zuständigkeit für Ausgaben und Finanzierung oft auseinanderfallen.
Besser machen
Oder bei der Reform des Pensionswesens, wo sich die EU eine frühere Angleichung des gesetzlichen Antrittsalters für Männer und Frauen wünscht als es derzeit in Österreich geplant ist. Sie rät weiters, die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer zu steigern und das gesetzliche Pensionsalter generell an die Lebenserwartung zu koppeln. Und sie empfiehlt, die Marktmechanismen zu stärken und bestehende Beschränkungen zu hinterfragen. Bei all diesen Empfehlungen gibt es Für und Wider, Vor- und Nachteile. Wichtig ist, den Rat der EU Kommission jetzt nicht in einer Schublade verschwinden zu lassen, sondern diese Außensicht offen zu diskutieren. Denn in den Vorschlägen steckt viel Potenzial für Veränderungen, die uns weiterbringen können. Sie bringen uns eine europäische Perspektive und die Chance, es besser zu machen.
06.06.2013
Seit vergangener Woche liegen die Ergebnisse des Wiener Lesetests 2013 vor. Ein Grund zur Freude sind sie nicht – vor allem nicht für die Wirtschaft. Denn mehr als jeder fünfte Wiener Schüler der achten Schulstufe kann nicht sinnerfassend lesen, weitere 40 Prozent schneiden nur mittelmäßig ab. Diese neueste Bestandsaufnahme unterstreicht einmal mehr, dass die Kritik der Wiener Lehrbetriebe am Bildungsniveau der Lehrstellenbewerber mehr als berechtigt ist. Auch beim Rechnen und Schreiben fehlen den Pflichtschulabsolventen oft grundlegende Fertigkeiten. Änderungen im Schulsystem sind daher unumgänglich. Schule muss sicherstellen, dass alle Schüler in die Lage sind, den Anforderungen eines Berufslebens zu entsprechen – nicht nur einige.
Kostenlose Förderung in Sommerferien
Nur so haben sie eine Chance, im Leben bestehen zu können und einen erfolgreichen Berufsweg zu beschreiten. Damit es für die als Risikoschüler identifizierten Mädchen und Burschen nicht zu spät ist, habe ich ein Sofortprogramm durch kostenlose Förderung in den Sommerferien vorgeschlagen. Damit kann sichergestellt werden, dass jene Jugendliche, die mit einer Lehrausbildung beginnen oder sich im kommenden Frühjahr um eine Lehrstelle bewerben, einen guten Start haben. Es ist erfreulich, dass ein solcher Vorschlag auch seitens der Präsidentin des Stadtschulrates kommt, laut dem in den Wiener Schulen ein kostenloser Förderunterricht stattfinden soll. Das seitens der Wirtschaftskammer Wien entwickelte Förderprogramm basiert auf einer Kooperation mit Studenten der Pädagogischen Hochschule, die wir in den Ferien für ein Sozialprojekt gewinnen möchten.
Mindestbildungsstandards ausschlaggebend
Dass eine spezielle Förderung von leistungsschwachen Schülern unglaublich viel bewirken kann, beweist der Lesetest selbst. 2800 Risikoschüler des vergangenen Jahres haben eine Zusatzförderung erhalten und sich entscheidend verbessern können. Auf dieser positiven Erfahrung aufbauend, müssen vergleichbare Aktivitäten auch in den anderen Fächern umgesetzt werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass Schülern nach Absolvierung der Pflichtschuljahre grundlegende Fertigkeiten fehlen. Es muss das Erreichen von Mindestbildungsstandards ausschlaggebend dafür sein, ob ein Schüler seine Schulpflicht erfüllt hat, und nicht der Zeitablauf.
29.05.2013
Während in den letzten zehn Jahren die Bevölkerung in Wien um mehr als zehn Prozent gewachsen ist, ist der Kfz-Bestand im selben Zeitraum um nicht einmal fünf Prozent gestiegen. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass sich die Wienerinnen und Wiener heute genauer als früher überlegen, ob und wofür sie ein Fahrzeug benötigen. Für viele Privatpersonen und unselbstständig Beschäftigte mag es der bessere Weg sein, auf Öffis umzusteigen oder gänzlich auf ein Auto zu verzichten. Für die überwiegende Mehrheit der Unternehmerinnen und Unternehmer aber ist und bleibt das Auto in der Stadt ein notwendiges Arbeitsinstrument. Vor allem Handwerker und Monteure brauchen, um Werkzeug und Materialen zu transportieren, ein Kfz – ebenso wie der gesamte produzierende Bereich oder Dienstleister wie Wäschereien, die Spitäler und Hotels beliefern, oder Handelsagenten, die ihre Waren präsentieren. Und nicht zuletzt die vielen Transportbetriebe, die täglich 120.000 Tonnen Waren inner- halb Wiens verteilen.
Steigende Kostenbelastung
Die Herausforderung ist klar. Es muss gelingen, ein Verkehrskonzept zu erstellen, das keine Belastungen und keine Verteuerungen für die Wirtschaft bringt. Denn der Wettbewerb wird zunehmend härter. Erschwerend ist aber die Fülle an Maßnahmen, die die wirtschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen zunehmend verteuert haben – vor allem für Betriebe, die auf eine größere Wagenflotte angewiesen sind. Denn durch immer neue Barrieren, Umleitungen und Beschränkungen verlängern sich die Transportwege und die Transportzeiten, was sich in einer steigenden Kostenbelastung infolge eines längeren Personaleinsatzes, einem höheren Spritverbrauch und einem höheren Fahrzeugbedarf niederschlägt. Wie sehr die zunehmende Behinderung des motorisierten Verkehrs in der Stadt den Wirtschaftstreibenden unter den Nägeln brennt, ist in vielen Gesprächen und Diskussionen mit Wirtschaftstreibenden tagtäglich festzustellen.
Noch ist es nicht zu spät
Auch die geplante Neugestaltung der Mariahilfer Straße hat in den letzten Monaten viel Anlass dazu gegeben, geht es ja vordergründig nicht um eine Aufwertung der Mariahilfer Straße, sondern um das Zurückdrängen des Verkehrs in den beiden Bezirken ganz allgemein. Die Zeche werden aber die Betriebe im sechsten und siebenten Bezirk zahlen und auch alle anderen Unternehmer, die in Wien unterwegs sein wollen oder müssen. Es bestünden alle Chancen, wenn die Bereitschaft zur Berücksichtigung der Interessen der Betriebe mit ihren vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegeben wäre. Dazu gehören insbesondere ausreichend Querungen, die Zufahrt für Handelsvertreter, Autobusse und Taxis, durchgehende Ladezonen in den Begegnungszonen und ausreichend lange Ladezeiten. Noch ist es nicht zu spät.
16.05.2013
Die Finanzierung der klein- und mittelständischen Wirtschaft in Österreich läuft nach wie vor fast ausschließlich über den klassischen Bankkredit. Alternative Finanzierungsformen sind hierzulande wenig entwickelt – zum Unmut vieler Unternehmen, die zwar mit einer innovativen Geschäftsidee und einem ausgezeichnetem Businessplan punkten, weniger aber mit handfesten Sicherheiten und ausreichendem Eigenkapital, wie dies die strengen Basel III Vorschriften, nach denen die heimischen Banken ihre Kunden bewerten müssen, vorsehen. Viele erfolgsversprechende Unternehmensentwicklungen werden dadurch erschwert bis unmöglich gemacht.
Geschäftsidee realisieren
All das müsste nicht sein, denn es gibt viele Menschen, die in das Können und die Gestaltungs- und Wirtschaftskraft von klein- und mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmern so viel Vertrauen haben, dass sie bereit sind, in deren Wachstum zu investieren. Die Modelle und Wege sind dabei höchst unterschiedlich – von privaten Darlehen über stille Beteiligungen an Unternehmen bis zu Vorkaufsvereinbarungen, bei denen der Geldgeber die Produktion vorfinanziert. Auch immer mehr Unternehmer wollen sich diese zusätzliche Finanzierungsoption eröffnen und über Crowdfinancing ihre Geschäftsidee realisieren. Dafür fehlt in Österreich allerdings noch der rechtliche Rahmen, wie der Fall eines Waldviertler Unternehmers jüngst deutlich gezeigt hat.
Solider rechtlicher Rahmen
Anzusetzen ist in einem ersten Schritt daher bei den Betragsgrenzen für die Prospektpflicht, also bei den Kapitalmarktauflagen für die Ausschreibung solcher Finanzierungsformen. Derartige Prospekte sind nach den bestehenden Vorschriften zeit- und vor allem kostenintensiv, sodass die niedrigen Grenzsätze die Ausschreibung geringer Beträge unwirtschaftlich macht. Zudem sind die Bankwesenvorschriften anzupassen, um eine Durchführung und Vermittlung solcher Finanzierungsformen auch außerhalb des Bankenbereichs zu ermöglichen. Alles in allem braucht Crowdfinancing also in Österreich einen soliden rechtlichen Rahmen, um diese Form der alternativen Unternehmensfinanzierung ergänzend zum Angebot an Bankkrediten zu entwickeln, wie dies auch in anderen Ländern – etwa in Großbritannien, Dänemark, Finnland oder den USA – bereits der Fall ist. Denn Unternehmer sollen für ihr jeweiliges Vorhaben die jeweils optimalste Finanzierungsform zur Verfügung haben und selbst entscheiden können, was am besten zu ihnen passt. Crowdfinancing ermöglichen heißt aber auch, dass das Kapital in Österreich investiert werden würde und all jene, die schon heute auf dieser Basis in ausländische Unternehmen investieren eine echte Alternative hätten.
08.05.2013
Der Erfolg einer Volkswirtschaft hängt vor allem von dem Vertrauen der Unternehmer in ihr Können, ihr Wissen und ihre Kompetenz ab. Aber nicht zuletzt spielt auch die allgemeine Stimmung eine wesentliche Rolle. Nach allen Sachentscheidungen müssen Unternehmer auch wichtige Zukunftsfragen auf Basis ihrer persönlichen Einschätzungen und Erwartungen beantworten. Wiens Unternehmen stehen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation überwiegend positiv gegenüber, sie vertrauen auf ihre Stärke, sich auch unter geänderten Marktbedingungen zu behaupten. Das ist das Ergebnis unserer aktuellen Befragung unter mehr als 1000 Betrieben.
Bedeutender Teil des Wachstumsmotors in Europas
Konkret sehen 36 Prozent der befragten Unternehmen ihre Branche aktuell in einer guten bis sehr guten Situation, lediglich 20 Prozent beurteilen die Situation als schlecht, was trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein sehr positives Ergebnis ist. Besonders zuversichtlich sind jüngere Unternehmer und solche, die in den letzten Jahren gegründet haben. Die Umfrage beweist einmal mehr, dass Wien auf ein starkes Unternehmertum aufbauen und vertrauen kann. Wir sind heute ein bedeutender Teil des Wachstumsmotors innerhalb Europas, auf dessen Antriebskraft weder Österreich noch die EU verzichten können. Diese Kraft und diesen Optimismus mit den richtigen Maßnahmen zu fördern, ist unabdingbar. Ganz besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften. Auch wenn die Thematik komplex ist und der große Wurf politisch derzeit, wie es scheint, nicht realisierbar ist, können wir auf einige positive Entwicklungen blicken. So gibt es beispielsweise durch die permanente Thematisierung der Lehrausbildung heute eine so intensive Auseinandersetzung mit der dualen Ausbildung wie schon lange nicht mehr.
Gemeinsame nationale Anstrengung
Unser Ziel muss aber weiterhin sein, den Stellenwert der Lehre im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern und mehr und mehr Jugendliche für die Lehre als attraktive Alternative zum schulischen System zu gewinnen. Dass man parallel dazu auch Matura machen kann, scheint bei vielen Eltern noch nicht angekommen zu sein. Entscheidend für unsere weitere wirtschaftliche Prosperität wird die Begeisterung der Jugend für technische und naturwissenschaftliche Berufe sein. Zahlreiche Projekte konnten wir schon starten. Zur wirksamen Entfaltung bedarf es aber einer gemeinsamen nationalen Anstrengung. Diese und alle weiteren Bemühungen sind notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe und deren positive Stimmung zu erhalten.
02.05.2013
Mit einer Abgabenquote von mehr als 44 Prozent ist Österreich im internationalen Vergleich schon heute ein Hochsteuerland. Der Großteil der Steuerleistung wird dabei von den Betrieben aufgebracht, was naturgemäß im Wettbewerb die heimischen Unternehmen gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten benachteiligt. Es besteht daher kein Zweifel, dass das verkraftbare Ausmaß der Belastung längst erreicht ist und weitere Belastungen von den Betrieben nicht mehr geschultert werden können. Zu diesem Ergebnis kommt nun auch eine Studie der KMU Forschung Austria, die die Auswirkungen neuer Vermögens-, Erbschafts- oder Schenkungssteuern, wie diese von der Sozialdemokratie verlangt werden, untersucht hat.
Schwächung der Konkurrenzfähigkeit
Das Ergebnis ist so eindeutig wie schlecht. Zwei Drittel des prognostizierten Steueraufkommens wären vorrangig von den Klein- und Mittelbetrieben zu leisten, so die Studie. Allein dadurch wären jährlich rund 16.000 heimische Arbeitsplätze vernichtet. Mindestens ebenso dramatisch wären die Auswirkungen einer Neuauflage der Erbschafts- und Schenkungssteuer. In Wien stehen in den kommenden Jahren rund 10.000 Betriebe zur Übergabe an, was für ein durchschnittliches KMU schlagartig zu Steuerleistung jenseits von 150.000 Euro führen würde, so die KMU Forschung Austria. Unter diesen Bedingungen wird die wirtschaftliche Kraft und Konkurrenzfähigkeit der Betriebe geschwächt, wenn nicht überhaupt Betriebsübergaben und damit die Sicherung von Unternehmenswerten und Arbeitsplätzen vielfach schlichtweg scheitern.
Wachstumsbremse und Arbeitsplatzvernichtung
Österreichs Betriebe dürfen deshalb nicht mit neuen Steuern, die als Wachstumsbremse und Arbeitsplatzvernichtung wirken, weiter belasten werden. Unternehmenssubstanz und Eigenkapital müssen vor vordergründigem Populismus geschützt werden. Die Bewältigung schwieriger Zeiten braucht bessere Ideen. Umstrukturierung, Reformwille, Effizienzsteigerung sind nicht nur Aufgaben der Wirtschaftsunternehmen, sie gelten gleichermaßen für den gesamten öffentlichen Bereich. Davon würden dann alle profitieren – Wirtschaft, Gesellschaft und der Staatshaushalt.
26.04.2013
Die Tage rund um den 1. Mai werden wieder viele Politiker und Arbeitnehmervertreter zum Anlass nehmen, um ein Feuerwerk an Forderungen über die Betriebe loszulassen. Mit dem Ruf nach Erhöhung der Abgabenlast für Unternehmer, nach einer Lehrlingsmilliarde, Vermögenssteuern oder einer Wertschöpfungsabgabe wird es aber nicht gelingen, die durchaus herausfordernden Zeiten zu bezwingen. Dabei wird nämlich geflissentlich übersehen, dass es keine Trennung in Unternehmer und Mitarbeiter geben kann. Denn gemeinsam sind die mehr als 400.000 österreichischen Unternehmer und ihre knapp drei Millionen Beschäftigten DIE Wirtschaft und sorgen zusammen für Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität. Gemeinsam stellen sie sicher, dass Österreich eine erfolgreiche Volkswirtschaft ist, die zu den reichsten Nationen der Erde zählt.
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
Hinter diesen Erfolgen steht ein werteorientiertes Wirtschaftssystem, das auf den Erfolgschancen unternehmerischen Handelns beruht, auf unternehmerischer Eigenverantwortung und einem fairen Miteinander. Dieses System stellt Beschäftigung, Innovation, Fortschritt und den Großteil des staatlichen Steueraufkommens sicher. Denn Unternehmer stehen für eine kluge Kombination aus Risikobereitschaft und unternehmerischer Kalkulation auf der einen Seite und Rücksichtnahme auf die Interessen der Mitarbeiter, der Lieferanten und Kooperationspartner auf der anderen Seite. Es ist daher die Aufgabe der Politik, dieses System in seinen Strukturen zu stärken und gerade in rauen Wirtschaftszeiten mit aller Kraft zu verteidigen und nicht zu belasten.
Der Politik ins Stammbuch geschrieben
Insbesondere betrifft das die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit – durch die Senkung der Lohnnebenkosten, ein international kompetitives Steuersystem, möglichst geringen bürokratischen Aufwand, einen einfachen Zugang zu maßgeschneiderten Förderungen, die Verfügbarkeit von bestens ausgebildeten Fachkräften oder eine leistungsfähige Infrastruktur, um nur einige der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren zu nennen. Umso mehr sind die jüngsten Vorschläge der Stadt zu einer Wertschöpfungsabgabe, die an die Stelle der in Europa einzigartigen U-Bahnsteuer treten soll, und die stärkere Besteuerung von Vermögen abzulehnen. Beides würde die Unternehmerinnen und Unternehmer hart treffen. Der Politik bzw. der Verwaltung sei daher in Anlehnung an ein Zitat von Arthur Schopenhauer ins Stammbuch geschrieben: Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts.
18.04.2013
Wien muss auch in Zukunft eine belebte Stadt sein. Eine Stadt, in der Händler, Dienstleister, Gewerbe- und produzierende Betriebe in allen Bezirken und Grätzeln neben öffentlichen Stellen, Freizeit- und Bildungseinrichtungen, kulturellen Angeboten und einem ansprechend gestalteten öffentlichen Raum wirtschaftlich aktiv sein können. Denn nur durch diese Art der Durchmischung, durch Vielfalt und eine Multi-Zentren-Strategie werden Kundenfrequenzen geschaffen, auf denen sich eine positive Wirtschafts- und Stadtentwicklung aufbauen lässt.
Richtschnur für die Stadtentwicklung
Diese für Wien neue Herangehensweise an das Thema Stadtentwicklung ist nur ein Eckpunkt des neuen „Masterplans zur Urbanitätsoffensive Wien“, zu dessen Erarbeitung ich vor eineinhalb Jahren renommierte Experten aus dem In- und Ausland, Bezirksvorsteher, Behördenvertreter und viele Unternehmerinnen und Unternehmer aus unterschiedlichen Branchen eingeladen habe. Diesen Bericht habe ich diese Woche in einem breit angelegten Symposium zur Diskussion gestellt, um weitere Sichtweisen in diesen größten und umfassendsten Denk- und Strategieprozess zur Zukunft unserer Stadt einzuholen. Den fertigen Bericht werde ich der Stadt Wien als Grundlage für den Stadtentwicklungsplan 2025 zur Verfügung stellen, der nächstes Jahr als Richtschnur für die Stadtentwicklung der kommenden Jahre beschlossen werden soll. Für die überwiegend klein- und mittelständisch strukturierte Wirtschaft in unserer Stadt ist dieser Prozess von unendlich großer Bedeutung.
Aktive Stadtentwicklungspolitik wichtig
Denn in den letzten Jahren ist es für viele Unternehmen schwierig geworden, in der Stadt wirtschaftlich aktiv zu bleiben. Beispielsweise für Betriebe in Nebenlagen, die durch die rasante Vermehrung von Verkaufsflächen in Einkaufszentren und Fachmärkten am Stadtrand unter Druck stehen. Oder für produzierende Betriebe, die durch eine ständige Verschärfung der Auflagen aus Wohngebieten verdrängt werden. All das muss nicht sein, denn es gibt Wege, es besser zu machen. Das zeigen auch die vielen internationalen Beispiele wie Barcelona, Hamburg oder Kopenhagen, deren Strategien im Masterplan verarbeitet wurden. Auch für Wien ist eine aktive Stadtentwicklungspolitik wichtig, notwendig – und möglich. Die Bedürfnisse der Unternehmen sind dabei zwingend zu berücksichtigen. Denn es sind die Unternehmen, die Leben in die Stadt bringen und ihr Erscheinungsbild prägen. Also: Rein in die Stadt!