Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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13.03.2008

Ausbildungszentren sind kein Allheilmittel

Bildung ist unser höchstes Gut und eine qualitätsvolle Ausbildung ist unerlässlich: Für unsere Jugend um ihnen Chancen im Leben zu eröffnen, aber auch für die Wirtschaft - denn ein hohes Bildungsniveau zählt zu den wichtigsten Standortkriterien im internationalen Wettbewerb. Die Wiener Wirtschaft ist gut aufgestellt und die Wiener Betriebe tragen einen wesentlichen Teil zur Ausbildung bei, wie der aktuelle Höchststand an Lehrplätzen zeigt.

Dennoch finden Jahr für Jahr viele Pflichtschulabgänger - aus unterschiedlichen Gründen - keinen Ausbildungsplatz in der Wirtschaft. Dass für diese Gruppe ein Angebot geschaffen werden muss, steht außer Streit und Frage. Die Einrichtung Überbetrieblicher Ausbildungszentren kann hier aber nicht das Allheilmittel sein, weil diese Medizin unerwünschte Nebenwirkungen haben kann.

Ich setze mich daher dafür ein, dass der Bedarf der Wiener Wirtschaft das wichtigste Kriterium in der Lehrlingsausbildung darstellt. Sowohl in die Auswahl der Berufe als auch in die Zahl der Überbetrieblichen Ausbildungsplätze müssen Wiener Wirtschaftstreibende Einfluss üben können. Um die Drop-Out-Rate weitgehend zu minimieren und gleichzeitig sicher zu stellen, dass Jugendliche das richtige Ausbildungsprogramm absolvieren, sind umfassende Berufsorientierung und unabhängige Eignungsverfahren unerlässlich. Außerdem sollten lernstarke Jugendliche nur dann einem Überbetrieblichen Ausbildungszentrum zugewiesen werden, wenn es für den angestrebten Beruf einen Fachkräftemangel ohne ausreichendes betriebliches Lehrstellenangebot gibt.

Besonders wichtig ist mir, dass für die Jugend Anreize geschaffen werden, damit diese sich für betriebliche Lehrstellen qualifizieren und bewerben. Für nicht ausbildungsreife Jugendliche sind andere Maßnahmen wie etwa Berufsorientierung, Coachings und Hauptschulabschluss vorzuschalten.

Vor allem aber müssen Mittel in die Förderung von Lehrbetrieben und deren Rahmenbedingungen investiert werden - um noch mehr Jugendlichen eine ebenso qualitätsvolle wie wirtschafts- und lebensnahe Ausbildung bieten zu können. Das ist dann tatsächlich eine Investition in die Zukunft unserer Jugend, aber auch in die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Wien.