Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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28.04.2008

Interview: "Wien - Standort mit Qualitäten"

Die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank über Erfolgsfaktoren des Unternehmensstandorts Wien sowie ihre Info- und Kommunikationsoffensive.


FORMAT: Frau Präsidentin, wie schätzen Sie als oberste Repräsentantin der Wiener Wirtschaft die Standortqualität der Bundeshauptstadt ein?
JANK: Wien ist ein hervorragender Wirtschaftsstandort und bietet Unternehmen eine sehr gute Infrastruktur sowie ein unternehmerfreundliches Klima. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einerseits liegen sie in der Verfügbarkeit gut ausgebildeter und einsatzbereiter Fachkräfte. So hat Wien mit neun Universitäten und fünf Fachhochschulen im österreichischen Vergleich die Nase vorne. In Wien gibt es 800 Forschungseinrichtungen, jährlich werden hier zwei Milliarden Euro für Forschung ausgegeben.


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Im Gespräch mit den Journalisten Michael Schmid und Birgitt Kohl


FORMAT: Das heißt, die Standortqualität hält mit der hohen Lebensqualität in Wien mit?
JANK: Die exzellenten Lebensbedingungen, die Wien zu bieten hat, nützen auch dem Wirtschaftsstandort. So haben etwa aufgrund der hohen Lebensqualität, Sicherheit und Kaufkraft bereits rund 300 internationale Unternehmen ihre Mittel- und Osteuropa-Zentralen hier in Wien.

FORMAT: Wie sehen Sie die Situation in Sachen Infrastruktur?
JANK: Die Infrastrukturvorteile dieser Stadt liegen klar auf der Hand: Der Flughafen Wien und der künftige Autobahnring sorgen für optimale Anbindungen. Unser Home-Carrier Austrian Airlines verfügt über das dichteste Routennetz in die Region Mittel- und Osteuropa. Und auch die Aktivitäten wie der Neubau des Hauptbahnhofs, die seitens der ÖBB gesetzt werden, sind wichtige Voraussetzungen für einen optimalen Wirtschaftsstandort.

FORMAT: Macht sich diese Attraktivität auch bei den Unternehmensgründungen bemerkbar?
JANK: Wir können in Wien ein dynamisches Wachstum feststellen. 28 Prozent der österreichischen Start-ups wählen Wien als Standort. So wurden 2007 mit rund 8.000 Gründungen um drei Prozent mehr Unternehmen ins Leben gerufen als noch im Jahr davor. Mit diesen Gründungen wurden auch 6.000 Arbeitsplätze geschaffen.

FORMAT: In welchen Branchen sind die meisten Jungunternehmer vertreten?
JANK: Den stärksten Anstieg hat es, neben den klassischen Sektoren Gewerbe und Handwerk, in den Bereichen Finanzdienstleistung, Unternehmensberatung, IT, Werbung sowie in den persönlichen Dienstleistungen wie etwa Lebens- und Sozialberatung gegeben. Das ist natürlich erfreulich, allerdings sollte neben Wiens Positionierung als Dienstleistungsmetropole langfristig auch verstärkt das Zusammenspiel mit den produzierenden Unternehmen gewährleistet sein.

FORMAT: Wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Unternehmern?
JANK: Ganz erfreulich ist, dass der Frauenanteil bei den Wiener Jungunternehmern kontinuierlich steigt. Im Zehnjahresvergleich können wir einen Zuwachs von zehn Prozentpunkten bei Gründerinnen verzeichnen. Aktuell haben wir einen Höchststand von 37,3 Prozent Frauenanteil an den Neugründungen.

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FORMAT: Sie haben gerade eine Informationsoffensive unter dem Titel "Weiter kommen" gestartet, um den Mitgliedern das Serviceangebot der
Wirtschaftskammer näherzubringen. Sie haben dazu auch das Leistungsspektrum neu definiert. Was soll diese Aktion den Mitgliedern bringen?
JANK: Die Wirtschaftskammer Wien (WKW) ist kein Selbstzweck. Wir sind ausschließlich für unsere Mitglieder da. Daher ist es uns wichtig, unsere Dienstleistungen für Unternehmen kontinuierlich zu optimieren. Dafür haben wir alle von uns angebotenen Serviceleistungen neu strukturiert und in sechs Leistungsfelder zusammengefasst, die sich nach den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Mitglieder richten.

FORMAT: Aber wozu braucht es eine Kampagne? Die Wirtschaftskammer ist eine bekannte Organisation.
JANK: Mit der Kampagne wollen wir unsere Mitglieder gezielt über das WKW-Servicecenter informieren. Da Unternehmen Kraft der gesetzlichen Regelung Mitglieder der WKW sind, wollen wir Wiener Firmen dazu aufrufen, das breite Leistungspaket auch öfter in Anspruch zu nehmen. Denn schließlich werden viele unserer Leistungsangebote ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung gestellt.

FORMAT: Netzwerke sind speziell für Jungunternehmer und KMUs wichtig. Wie unterstützt die WKW ihre Mitglieder bei diesen Aktivitäten?
JANK: Die Wiener Wirtschaftskammer stellt ein breites Spektrum an Netzwerken und Kooperationsmöglichkeiten bereit, von denen unsere Mitglieder profitieren können. Zum Beispiel ermöglichen wir Kreativen auf unserer Plattform Creativespace den Zugang zu potenziellen Auftraggebern. In unserer Informations- und Kommunikationsoffensive wollen wir daher – neben den Schwerpunkten Aus- und Weiterbildung sowie Beratung und Unterstützung – Unternehmen verstärkt auf die Vorzüge des Networking aufmerksam machen.

FORMAT: Welche Formen der Beratung werden von Wiens Unternehmern am meisten in Anspruch genommen?
JANK: An der Spitze steht die Beratung im Gewerbe-, Arbeits- und Zivilrecht. Kleinere Unternehmen nutzen diese Option leider noch immer viel zu selten. Unsere Kompetenz besteht darin, zu vielfältigen Themenbereichen wie etwa zu Förderungen oder Export Beratung und Unterstützung anbieten zu können. Die Serviceleistungen reichen von telefonischen Auskünften über persönliche Beratung bis hin zur Möglichkeit der arbeits- und sozialrechtlichen Vertretung.

FORMAT: Was bietet die WKW im Aus- und Weiterbildungsbereich?
JANK: Ein breit gefächertes Leistungsangebot: Das Wifi, die größte private Bildungseinrichtung, das Hernstein Institut für Management und Leadership sowie die Business Schools in Wien oder auch acht Fachhochschulstudiengänge und die Modul University Vienna. Jährlich nutzen rund 70.000 Menschen die Erwachsenenbildungsangebote der WKW.

FORMT: Welche Impulse kann die Wiener Wirtschaft vom anstehenden Großevent EURO 2008 erwarten?
JANK: Das Megaereignis EURO 2008 sollte als eine große Chance für Wien
betrachtet werden. Unserer Stadt wird durch einen solchen Großevent die Möglichkeit geboten, ihre Freundlichkeit, ihre Tourismusqualitäten sowie ihre Wirtschaftskompetenz und ihren Stellenwert in Europa einem Milliardenpublikum zu transportieren. Wenn uns das gelingen sollte, wird ein langfristiger Gewinn für Wien und die Wiener Wirtschaft zustande kommen.

FORMAT Interview: Birgitt Kohl,
Michael Schmid

Das Interview erschien am 28. März 2008 im Wochenmagazin "FORMAT" (NR. 13). Ich danke für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

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