Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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10.07.2008

Wiener Airport gibt Ostregion Impulse

flughafen-wien_klDie Verfügbarkeit von internationalen Verkehrsverbindungen gewinnt bei der Standortwahl immer mehr an Bedeutung und liegt noch vor Faktoren wie steuerliche Belastung, Wachstumspotenzial oder Arbeitnehmerqualifikation. In einer Umfrage stuften sogar 89 Prozent der befragten Top-Manager die internationale Erreichbarkeit als "sehr wichtig" bzw. "wichtig" ein. Immerhin wird mittlerweile die Hälfte aller Geschäftsreisen ins Ausland per Flugzeug durchgeführt.
In diesem Zusammenhang leistet der Flughafen Wien mit seinem weitverzweigten Streckennetz einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivität des Standortes Wien. Vor allem in der für die Wiener Unternehmen so wichtigen Region Osteuropa ist der Flughafen bestens positioniert, hält er doch mit 41 Destinationen die größte Zahl von Non-Stop-Verbindungen in diese Richtung, noch vor London und Frankfurt. Ohne diese ausgezeichnete Anbindung Wiens an die CEE-Länder, die eine rasche Präsenz der Firmenvertreter vor Ort erst ermöglicht, wären die erfolgreichen Markterschließungen der Wiener Betriebe im Osten kaum denkbar gewesen.
Darüber hinaus profitiert auch die gesamte Region rund um den Flughafen Wien. Mit 1000 Beschäftigten am bzw. unmittelbar beim Flughafen pro einer Million Passagiere – derzeit rund 18 Millionen pro Jahr – ist er nicht nur Verkehrsdrehscheibe, sondern auch wichtiger Impulsgeber für den Arbeitsmarkt. Prägnant auch die Effekte der Wertschöpfung: Ein am Flughafen Wien erwirtschafteter Euro bewirkt 2,20 Euro an Bruttowertschöpfung in Ostösterreich.
Ein starker Flughafen Wien von internationalem Niveau mit einem weitverzweigten Streckennetz ist für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung und Attraktivität des Standortes Wien somit absolut unverzichtbar. Ohne den Ausbau der 3. Piste zur Kapazitätserweiterung und ohne eine starke Fluglinie, die weiterhin von Wien aus die vielen internationalen Destinationen anfliegt, würde der Flughafen Wien rasch an Bedeutung verlieren – und mit ihm letztlich auch der Standort Wien.

Foto: *MarS

Lukas Birsak - 19. Jul, 15:48

Fluglärm verursacht auch wirtschaftlichen Schaden

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

als selbst in der Privatwirtschaft Tätiger ist es für mich immer wieder bedauerlich, wie einseitig die offiziellen Vertreter der Wirtschaft Flugverkehr und Flughäfen betrachten. Natürlich können Flughäfen eine Wirtschaftsregion fördern und Beschäftigung bringen. Aber das kann z.B. ein Atomkraftwerk oder eine Giftmülldeponie auch, ohne dass wir solche ungehemmt ansiedeln und ausbauen werden. Ebenso können wir nicht ein ganzes Land mit Autobahnen zupflastern, ohne dadurch andere Daseins-Grundfunktionen zu stark zu zerstören.
Aber um noch näher bei wirtschaftlichen Argumenten zu bleiben: Was sagen Ihre Kammermitglieder aus dem Immobilienbereich - aus dem Sie selbst stammen - dazu, dass großflächig im hochwertigsten Wohngebiet im Süden Wiens und weiter im südlichen Wiener Becken Siedlungsflächen durch unerträglichen Fluglärm entwertet werden? Oder was werden die lokalen Gewerbetreibenden dazu sagen, wenn schleichend die wohlhabendere Bevölkerung aus diesem Raum wegzieht, weil sie die Umweltbelästigung durch immer mehr Flugzeuge nicht mehr in Kauf nehmen will? Von steigenden Kosten für gesundheitliche und psychische Schäden will ich gar nicht reden. Auch nicht davon, dass im Gegensatz zu den aufwändigen Genehmigungsverfahren mit Entschädigungsansprüchen bei Straßenbauten Flugrouten mit wenigen Federstrichen eingerichtet und verändert werden.
Vielleicht haben Sie das Glück, in einer der Gegenden Wiens zu leben, die noch (!) nicht vom Fluglärm betroffen sind. Viele Tausende Menschen haben diese Glück leider nicht und verstehen nicht, wieso Verantwortungsträger nicht die letzte Chance ergreifen, ein wachsendes Umweltproblem einmal vorausschauend zu lösen.
Helfen Sie daher bitte mit, folgende Maßnahmen in die Tat umzusetzen:
- Reduzierung der Flugbewegungen in Wien Schwechat auf das volkswirtschaftlich Notwendige, d.h. keine Transitflüge, keine Frachtenflüge, wo diese mit der Bahn transportiert werden können;
- Höchste Priorität für bevölkerungsschonende Flugroutenwahl durch ordentliche Genehmigungsverfahren unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte;
- Bewusstseinsbildung bei allen Wirtschaftstreibenden für den Umstieg vom Flugzeug auf die Bahn bei Kurzstreckenflügen und Ersatz nicht unbedingt notwendiger Reisen durch moderne Kommunikationsmethoden;
- Aus Klimaschutzgründen muss Flugverkehr eher reduziert als ausgeweitet werden. Daher Ablehnung der 3. Piste als volkswirtschaftlichen Unsinn;
- Unterstützung des Grundsatzes, dass Eigentumsentwertung durch Flugverkehr nicht entschädigungslos bleiben darf;
- Mittelfristig Evaluierung einer Teilung oder Standortverlegung des Flughafens Wien Schwechat.