Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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18.08.2008

"Wiener Wirtschaft am Puls der Zeit"

Interview mit dem Magazin FORMAT, erschienen in der Ausgabe 33 l 08 vom 14.08.2008

Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, über den Innovationsstandort Wien, den Innovationspreis "Mercur" sowie Beratung und Förderung für innovative Unternehmen.

Format: Frau Präsidentin, welchen Stellenwert hat der Faktor Innovation am
Wirtschaftsstandort Wien?
Jank: Einen zentralen – wenn Sie Innovation als echte, umfassende Neuerung begreifen. Die Wiener Wirtschaft hat sich in den letzten 20 Jahren in weiten Bereichen grundlegend erneuert. Wobei bei diesem Prozess auch noch andere Faktoren eine wesentliche Rolle spielen.

Format: Um welche handelt es sich dabei?
Jank: Essenziell für das Fortkommen der Wiener Wirtschaft sind neben der Stärkung der Innovationskraft das Aufrechterhalten und die Weiterentwicklung von Qualität sowie das Fördern der Kreativität.

Format: Wie sehen Sie die Position des Standorts unter dieser Prämisse?
Jank: Alle drei Faktoren sind sehr stark ausgeprägt. Wien bietet bestqualifizierte Fachkräfte und ist ein Zentrum der Creative Industries. Wir haben zudem ein sehr innovationsfreundliches Klima. Mit einer Forschungs- und Entwicklungsquote von 3,13 Prozent liegen wir jetzt schon über den Vorgaben des Barcelona-Ziels. In Wien arbeiten rund 35.000 Menschen in der Forschung, 40 Prozent der österreichischen Forschungsausgaben werden in Wien getätigt. Wir sind hier auch im internationalen Vergleich sehr gut positioniert.

Format: Was kann die Wirtschaftskammer dazu beitragen, dass diese Rahmenbedingungen den Wiener Unternehmen auch konkret zugute kommen?
Jank: Wir informieren und beraten Unternehmen über Kooperationsmöglichkeiten mit universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wir unterstützen sie bei der Kontaktanbahnung, wir begleiten sie bei dem Prozess, diese vorhandenen Kräfte und Ressourcen voll zu aktivieren und damit ihre Marktchancen zu nutzen und zu verbessern.

Format: Sind die Voraussetzungen dafür in den Betrieben überhaupt vorhanden?
Jank: Der Erfindergeist an sich ist eine wichtige Eigenschaft und bei unseren Unternehmen sehr stark ausgeprägt. Aber, und da sprechen Sie ein Problem an, beim Übergang von der Idee zur Umsetzung bis zum professionellen Markteintritt gibt es gerade für die kleineren Unternehmen oft Schwierigkeiten. Wir unterstützen sie dabei, die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich aus ihren Ideen ergeben, tatsächlich zu realisieren.

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Format: Mit Ihrem Innovationspreis, dem Mercur, zeichnen Sie genau solche marktfähigen Innovationsprojekte aus. Was bringt dieser Preis den Unternehmen?
Jank: Mit dem Mercur, den wir seit mehr als 20 Jahren vergeben, würdigen wir hervorragende Wiener Unternehmen und bieten ihnen die
Möglichkeit, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren, ihre Leistungen bekannter zu machen. In dieser Hinsicht ist der Mercur ein Marketinginstrument. Bisher haben 800 Unternehmen aus Wien teilgenommen. Viele von ihnen reichen immer wieder ein – das zeigt, dass es dort eine kontinuierliche Innovationskraft gibt, dass sich in diesen Unternehmen eine Innovationskultur etabliert hat. Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sollen keine einmalige Angelegenheit sein. Nur wo permanent Innovationen geschaffen werden, bleibt die Wirtschaft am Puls der Zeit.


Format: Und der Mercur unterstützt diesen Prozess?
Jank: Auf jeden Fall. Dass der Mercur dabei Schützenhilfe leisten und die Entwicklung eines Unternehmens weiter treiben kann, beweist das Beispiel Bender Med Systems. Das Unternehmen hat 2000 erstmals und seither immer wieder den Mercur gewonnen – zuletzt mit einem diagnostischen System zum Nachweis von Adipositas. Aus einem Spin-off hervorgegangen, beschäftigt Bender mittlerweile am Standort Wien sehr gute Mitarbeiter aus aller Welt und ist global tätig.

Format: Beim Mercur selbst gibt es heuer ja auch einige Innovationen.
Jank: Auch wir müssen auf die sich ändernden Umstände und Herausforderungen reagieren. Mit dem Mercur 2008 decken wir ein breiteres Spektrum als bisher ab. Neben den drei Kategorien Innovationen allgemein, Kreativität und Jungunternehmer gibt es drei weitere Sonderpreise, den Feminnova für innovative Unternehmerinnen, einen Preis für besonders erfolgreiche Kooperationen sowie den Econovius für Projekte von kleinen Unternehmen.

Format: Wie wichtig ist der Netzwerkgedanke für die Innovationskraft?
Jank: Der Mercur ist in dieser Hinsicht durchaus eine Leistungsschau, bei der nicht nur die Gewinner und Einreicher vertreten sind, sondern auch alle früheren Preisträger. Es bietet sich nicht nur die Chance, sein Produkt einem spezifisch interessierten Publikum zu präsentieren, sondern auch Kontakte zu knüpfen und Kooperationen zu initiieren.

Format: Wie sieht es mit der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Wien aus?
Jank: Einerseits vergeben und unterstützten wir selbst Forschungsaufträge für die Wirtschaft, andererseits wollen wir das enorme Know how, das an den Universitäten erarbeitet wird, bestmöglich in die Wirtschaft hineinbringen. Was dort geleistet wird, darf nicht nur in Publikationen enden. Da ist noch viel zu tun, weil die Sprache der Forscher und Wissenschaftler oft nicht die Sprache der Wirtschaft ist. Als Wirtschaftskammer sind wir da in einer gewissen Weise als Übersetzer tätig. Das wird ein Schwerpunkt unserer Arbeit der nächsten Jahre.

Format: Gibt es bei der Innovationsförderung im Allgemeinen aus Sicht der Wirtschaft Verbesserungsbedarf?
Jank: Die konkrete Förderungsabwicklung ist für kleine Unternehmen sehr schwierig und aufwendig und viele verzichten daher oft nicht nur auf die Förderung, sondern gleich auf das ganze Projekt. Daher mein Appell an alle Fördereinrichtungen, den Zugang leichter zu machen. Etwa indem man in einer ersten Runde, die wenig Zeit kostet, klärt, ob ein Projekt grundsätzlich förderwürdig ist und erst in einem zweiten Schritt in die detaillierten Förderbedingungen einsteigt.

FORMAT2Interview: Michael Schmid, Foto: Martin Vukovits
Ich danke für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.