Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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14.01.2010

Wiener Einzelhandel braucht Zukunftskonzept

Wien kann stolz sein auf sein vielfältiges Shopping-Angebot, seine ausgezeichnete Nahversorgung und die hervorragende Entwicklung der Geschäftsstraßen. Der Wiener Einzelhandel ist in den letzten Jahren stark gewachsen, allein in den 22 größten Einkaufsstraßen gibt es heute um acht Prozent mehr Verkaufsfläche als 2003, in ganz Wien steht ein Rekordwert von 2,4 Millionen m² Verkaufsfläche den Konsumenten zur Verfügung. Auch der Umsatz ist gestiegen – von 8 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf zuletzt rund 9,5 Milliarden Euro.

Trend zur Filialisierung
Nun gilt es, den Wiener Einzelhandel in das nächste Jahrzehnt zu begleiten und Antworten auf die Herausforderungen der nächsten Jahre zu finden. Denn parallel zur allgemein guten Entwicklung hat sich in den letzten Jahren der Trend zur Filialisierung und Konzentration auf die großen, zentralen Geschäftsstraßen fortgesetzt. Rand- und Nebenlagen geraten durch diese Entwicklung zunehmend unter Druck. Wir brauchen daher ein Zukunftskonzept für den Wiener Einzelhandel, das sich den Herausforderungen der Zeit stellt und eine Entwicklungsperspektive bis 2020 aufzeigt. Ich habe daher die Durchführung eines breit angelegten, intensiven Lösungsfindungsprozesses beauftragt, in den alle Bezug habenden Akteure eingebunden werden.

Auf wissenschaftliche Basis stellen
Dabei werden wir auch Erfolgsmodelle anderer, vergleichbarer europäischer Städte analysieren, nationale und internationale Experten einbeziehen und das gesamte Projekt auf eine wissenschaftliche Basis stellen. Mit einem solchen, auf breiter Ebene getragenem Konzept ist der Strukturwandel im Wiener Einzelhandel im gemeinsamen Interesse der Wiener Bevölkerung und der Wiener Wirtschaft in zukunftsorientierte Bahnen zu lenken.

Bedürfnisse besser berücksichtigen
Aus der Entwicklung des Wiener Einzelhandels ist auch abzuleiten, dass bei künftigen Bauvorhaben die Bedürfnisse der bestehenden Händler besser berücksichtigt werden müssen – vor allem in der Frage der Flächenwidmung für Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“ oder bei der Genehmigung innerstädtischer EKZ, deren Größe die bestehenden Strukturen der umliegenden Einkaufsstraßen gefährdet. Hier hat die Wirtschaftskammer Wien in den letzten Jahren viel abwehren können, was großen Schaden angerichtet hätte – etwa überdimensionierte EKZ am Haupt- und Westbahnhof. Und dies ist auch unsere Richtschnur für die nächsten Jahre, damit alle Handelsformen und Branchen vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten haben.