Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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25.01.2010

Jugend-Ausbildung: Zeigen, was möglich ist

Die Reform des österreichischen Bildungswesens ist überfällig und muss im Eilzugstempo angegangen werden. Ein großer Teil der Pflichtschulabgänger, die sich um eine Lehrstelle bewerben, verfügen laut einer aktuellen Befragung unter 300 Wiener Lehrbetrieben nicht über die ausreichenden Grundqualifikationen. Probleme gibt es beim Rechnen, Schreiben und Lesen, beim sprachlichen Ausdrucksvermögen und beim logischen Denken – also bei Qualifikationen, die bei den Betrieben ganz oben stehen. Für Wien ist dies eine entscheidende Zukunftsfrage. Denn Wiens Betriebe brauchen ausgezeichnet ausgebildete Fachkräfte, allerdings können mangels ausreichender Grundqualifikationen hunderte Lehrstellen nicht besetzt werden. Mittlerweile herrscht in praktisch allen Branchen ein Engpass an Fachkräften – von der Gastronomie über das Wiener Handwerk bis hin zur Industrie. Und die Lage könnte sich noch weiter zuspitzen.

Trendwende einleiten
Unser Bildungssystem braucht daher einen umfassenden Modernisierungsschub und muss vom 19. ins 21. Jahrhundert geführt werden. Die Aufgabe, auf das Leben in unserer Gesellschaft und auf die Berufswelt vorzubereiten, muss unser Schulwesen besser erfüllen. Dazu habe ich einen Diskussionsprozess mit renommierten Experten des Bildungswesens gestartet. Während die Politik weiter Antworten schuldig bleibt, wollen wir aufzeigen, was möglich ist, um eine Trendwende einzuleiten. Bereits gelungen ist die Trendwende bei der Zahl der Wiener Lehrlinge. Heute stehen über 18.000 Lehrlinge in Wien in Ausbildung, die Abwärtsentwicklung früherer Jahre wurde u.a. durch den Ausbau des Förderwesens gestoppt. Nun gilt es, die Lehrlingsausbildung als unersetzliche Säule der Fachkräfte-Generierung konsequent voranzutreiben. So ist beispielsweise das Image der Lehre in der öffentlichen Meinung nach wie vor unzufrieden stellend. Bei vielen steht die Lehre gedanklich immer noch am Ende der Bildungsskala, dabei verfügen wir mit dem dualen System über eine hoch qualifizierte Ausbildung, die der schulischen Weiterbildung in keiner Weise nachsteht. Wenn es gelingt, das Bildungsniveau der Pflichtschulabgänger zu steigern, wird auch das Ansehen der Lehre verbessert werden, und es werden sich auch mehr Jugendliche für einen solchen Ausbildungsweg begeistern.