Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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19.04.2012

Orientierung geben, Chancen eröffnen

Vergangene Woche konnte ich nach umfangreichen Vorbereitungen und konstruktiven Verhandlungen mit der Präsidentin des Wiener Stadtschulrate, Frau Dr. Susanne Brandsteidl, ein bisher einzigartiges Kooperationsprojekt besiegeln. Ab Herbst diesen Jahres wird in den Wiener Pflichtschulen ein völlig neuer, von Experten aus Wirtschaft und Bildung entwickelter Test unter der Bezeichnung „Talente-Scan Berufsausbildung“ implementiert. Gestartet wird zunächst in 22 Mittelschulen, ein Schuljahr und viele Erfahrungen später soll das Programm auf alle Wiener Pflichtschulen ausgeweitet werden, sodass alle rund 18.000 Wiener Schülerinnen und Schüler der achten Schulstufe teilnehmen.

Besser einschätzen lernen
Der Test wird Orientierung geben. Die Jugendlichen erhalten Informationen über ihre Stärken und naturgemäß auch über vorhandene Schwächen. Gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern, die in diesem Fall nicht als Überprüfer von Leistungen, sondern als Berater fungieren und analysieren, können dann Maßnahmen zur Verbesserung besprochen und eingeleitet werden. Erfahrungsgemäß ist diese Orientierung ganz besonders für jene jungen Menschen wichtig, die eine Ausbildung in einem der unzähligen Lehrberufe anstreben. Sie sollen zeitgerecht erfahren, welche Anforderungen auf sie zukommen und welche Erwartungen seitens der Betriebe gegeben sind, um eine Lehrausbildung beginnen zu können. Der „Talente-Scan Berufsausbildung“ unterstützt dabei, sich besser einschätzen zu lernen, ein „böses Erwachen“ bei den ersten Vorstellungs-gesprächen darf es künftig nicht mehr geben.

Testprogramm ist ein Meilenstein
Mit dem neuen Test wird auch das Ziel verfolgt, den Blick der Jugendlichen und ihrer Eltern auf die vielfältigen Entwicklungswege, die im Bereich der Berufsausbildung bereit stehen, zu schärfen. Denn von den knapp 200 Lehrberufen, die in Wiener Betrieben angeboten werden, kennen die meisten Jugendlichen nicht einmal zehn. Dies kann sich nur ändern, wenn auch in den Schulen Berufsbildung integraler Bestandteil des Lehrplans – und damit verpflichtend für alle Schüler – wird. Das neue Testprogramm ist ein Meilenstein auf diesem Weg.