Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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26.04.2012

E-Mobilität mit Hindernissen

In den letzten Jahren hat sich das E-Bike zu einem wahren Verkaufsschlager entwickelt. Neben den teilweise hohen Förderungen für die Anschaffung von E-Bikes war für diese Entwicklung insbesondere der konkrete Nutzen für Radfahrer verantwortlich. Vor allem ältere Menschen haben bei dieser Innovation zugegriffen und treiben die weitere Entwicklung durch ihre rege Nachfrage voran. Doch bei einem elektrobetriebenen Pkw oder Bus - was ist hier der konkrete Konsumentennutzen? Diese Frage ist bis heute nur unzureichend beantwortet. Denn zur Zeit ist die Reichweite von E-Fahrzeugen immer noch sehr eingeschränkt, die Ladezeiten für die benötigten Akkus sind sehr lang. Ladestationen im öffentlichen Raum sind eine Rarität, massentaugliche Akku- Wechsel-Systeme fehlen sowieso. Aus diesen Gründen ist E-Mobilität für Vielfahrer, wie sie in der gewerblichen Wirtschaft im überwiegenden Maße anzutreffen sind, derzeit noch keine Option für einen breiten Einsatz.

Geeignete Rahmenbedingungen schaffen
Bleibt die Frage nach dem Umweltschutz. Zweifellos punkten E-Motoren mit einer lupenreinen CO2-Bilanz – wenn der verwendete Strom umweltfreundlich erzeugt wurde. Zugleich werden aber auch konventionelle Verbrennungsmotoren immer effizienter und emissionsärmer und treten auch hier mit E-Motoren zunehmend in Konkurrenz. Bevor Elektromobilität in Österreich in nennenswerten Dimensionen Platz greifen kann, müssen also noch eine ganze Reihe von Hindernissen überwunden werden. Mit den ersten Pilotprojekten wurde aber eine Entwicklung in Gang gesetzt, die das Mobilitätsangebot der Zukunft wesentlich verändern wird und Chancen für zahlreiche Branchen bietet. Jetzt liegt es an der Politik, für geeignete Rahmenbedingungen zu sorgen, um die nächsten Schritte anzureizen – etwa durch die Vorgabe von Emissionsobergrenzen für Kraftfahrzeuge.

Alternativen andenken
Damit wird es der Industrie ermöglicht, neben der Entwicklung von E-Motoren auch an der weiteren Optimierung von Verbrennungsmotoren – beispielsweise für Erdgasautos - und an sonstigen Antriebsformen zu arbeiten. Eine einseitige Förderung von E-Mobilität würde diese positiven Entwicklungen behindern und wäre daher der falsche Weg. Für den optimalen Verkehr der Zukunft muss aber auch hinterfragt werden, ob in Großstädten jeder Private seinen eigenen Pkw noch haben will – lange Stehzeiten inklusive – oder ob es hierfür nicht Alternativen gibt.