Unternehmerin, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes

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05.07.2012

Bildungspolitik darf keine Ferien machen

Neun Wochen dauern die großen Ferien. Und auch Bildungspolitiker wollen Ferien machen. Rechtzeitig vor dem Ende des Schuljahres hat der Nationalrat daher das Bildungsvolksbegehren schnell behandelt und sanft entsorgt. Dabei besteht höchster Handlungsbedarf im österreichischen Schul- und Bildungswesen. Darüber kann auch die Einführung der Neuen Mittelschule ab dem neuen Schuljahr nicht hinwegtäuschen. Eine im Juni präsentierte Umfrage der Gfk Austria belegt, dass jeder fünfte Jugendliche nicht prozentrechnen kann. Und 68 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in der Schule nie Informationen über Finanzthemen erhalten haben. Ein erschreckendes Ergebnis.

Chancen für Weiterbildung gering
Damit nicht genug: Das Erwerbskarrieren-Monitoring der Statistik Austria zeigt, dass nur 4,5 Prozent der Maturanten direkt in das Erwerbsleben wechseln. Für niemanden sind die Jobaussichten so schlecht wie für AHS-Maturanten. Lehrabsolventen werden hingegen vom Arbeitsmarkt gut aufgenommen. Fast jeder zweite findet binnen drei Monaten eine Stelle. Dafür sind die Chancen für Weiterbildung – und damit auf eine bessere Karriere – gering. Es ist längst an der Zeit, endlich eine grundlegende und umfassende Reform des Bildungswesens anzugehen. Mit dem Flickwerk der letzten Jahre ist es nicht getan.

Ball liegt bei der Politik
Zwar wird ab Herbst an den Neuen Mittelschulen mit dem Unterrichtsfach „Berufsorientierung“ eine langjährige Forderung der Wirtschaft endlich umgesetzt, doch die Gleichstellung etwa der qualitativ höchst anspruchsvollen Meisterprüfung mit einem akademischen Abschluss, der gezielte Aufbau von lebenslangen Bildungskarrieren oder die in jeder Hinsicht verbesserte pädagogische Betreuung
unserer Kinder und Jugendlichen – das alles lässt nach wie vor auf sich warten. Stattdessen diskutiert die Politik Geldstrafen für Schulschwänzer. Ein Sommerlochthema und ein Problem, das sich durch ein besseres, interessanteres, motivierenderes Schulsystem allemal leichter lösen ließe. Die Vorschläge und Initiativen der Wirtschaftskammer dazu wurden von mir schon vielfach vorgestellt. Der Ball liegt einmal mehr bei der Politik.