27.04.2007
Berliner Erfahrung
Bei Gesprächen mit Vertretern der Handelskammer Berlin und Brandenburg in Berlin konnte ich mich unter anderem über das Thema Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten aus erster Hand informieren. Die bisher in Berlin gemachten Erfahrungen haben gezeigt: "Rund um die Uhr- Shopping" gibt es auch bei der völligen Freigabe nicht - allenfalls werden die Geschäfte bis 20:00 Uhr offen gehalten. Darüber hinaus geöffnet zu haben rechnet sich nicht - und das, obwohl Berlin weit weniger Einkaufsfläche pro Kopf als Wien hat: In Wien sind es zwei Quadratmeter pro Person, in Berlin nur 1,2 Quadratmeter. Auch im Bereich der Sonntagsöffnung - maximal zehn Sonntage dürfen in Berlin offen gehalten werden - gibt es unterschiedliche Ausgangslagen. In Deutschland ist im Unterschied zu Österreich der mit der Gewerkschaft ausverhandelte Tarifvertrag nicht allgemein verbindlich! Bestätigt wurde in Berlin jedenfalls, was auch auf Wien zutrifft: Öffnungszeiten haben nichts mit Kaufkraft zu tun. Es kommt zwar zu Verlagerungen - Umsatzsteigerungen sind aber nicht zu verzeichnen. Die Erfahrung zeigt daher, dass Wien mit seinen derzeitigen Regelungen einen vernünftigen Weg eingeschlagen hat. Wien ist anders – Berlin ist das auch.








Ladenöffnungszeiten
seit Jahren schon frage ich mich, was der Grund für die so offensichtliche, unheilige Allianz zwischen Gewerkschaft und Wirtschaftskammer ist. Jeder Versuch, dem Kaufmann die Entscheidung selbst zu überlassen, wann und wie lange er sein Geschäft öffnet, wird mit den unterschiedlichsten Argumenten abgewürgt, ganz so, als wären Unternehmer unmündig und nicht in der Lage, zu entscheiden, was für sie am besten oder zumindestens machbar ist.
Wenn jemand sein Geschäft am Sonntag von 9 bis 17 Uhr oder am Dienstag von 16 bis 24 Uhr aufsperren will - warum denn nicht? Oder Montag bis Sonntag von 0 - 24 Uhr: wenn er Mitarbeiter findet, die da mitspielen, oder er selbst hinter der Budel steht - was spricht dagegen?
Wenn sich nicht genug Kunden finden, wird er schon wieder andere Öffnungszeiten finden, die mehr Ertrag bringen - aber von vornhinein alles "reglementieren und einschränken", das ist bestes josefinisches Obrigkeitsdenken und -verhalten.
Wen vertritt die Kammer eigentlich? Die Interessen des Unternehmers oder die der Arbeitnehmer und der Kirche?
In meiner Tätigkeit als Unternehmensberater muß ich auch dann arbeiten, wenn es die Aufträge = meine Klienten verlangen; ob das abends, Samstags oder Sonntags ist, frägt mich keiner - das vereinbarte Ziel muß erreicht werden.
Genauso muß es doch einem Händler überlassen bleiben, wann er aufsperrt. Wenn er Kunden hat, ist es gut, wenn nicht, dann reguliert sich das ohnehin von selbst.
In der Verweigerungstaktik immer auf andere zu verweisen (siehe "Berliner Erfahrung") ist einfach fad, denn wirkliche Argumente, die Öffnungszeiten weiterhin nicht völlig freizugeben, habe ich bis jetzt noch nicht gehört oder gelesen.
Herzliche Grüße,
Dr. Ludwig Ekl
wie oben
Die in Berlin gemachten Erfahrungen sprechen für sich
da muss ich meinem vorredner recht geben...
Selbst die Konsumenten sind größtenteils mit den Öffnungszeiten einverstanden - Hören Sie sich mal um! Würde nun freigegeben, wären die ersten die großen Ketten, die selbstverständlich und mit dem entsprechenden Druck auf ihre Arbeitnehmer die Öffnungszeiten ausdehnen würden - zu Lasten der Kleinbetriebe, die die hohen Lohnzuschläge bei ÜSt nicht zahlen können und daher auf der Strecke blieben. Ich bin der Meinung, dass es so wie es ist im wesentlichen ok ist.
Ihre fehlenden Argument
Die Betreiber der Einkaufscenter wären durch ihre Umsatzmieten die Nutznießer, doch nicht einmal die dortigen Einmieter sind mehrheitlich für eine Freigabe, weil die Mehrkosten zu Verlusten führen würden. Liberalität ist in diesen Einkaufscentern nicht besonders gefragt, denn dann würde ein Großteil der dort eingemieteten Händler bei einer Ausdehnung der Öffnungszeiten NICHT aufsperren wollen, aber durch die Mietverträge dazu verpflichtet sein. Bestenfalls eine lokale Umsatzverlagerung wäre die Folge. Die Händler in den "gewachsenen" Wiener Geschäftsstraßen und die damit zusammenhängende Nahversorgung wären gefährdet, was auch nicht im Sinne der Konsumenten sein kann. So viel Weitblick sollte man einem Unternehmensberater zutrauen können.
Viele tausende kleinere und mittlere Unternehmer sind froh darüber, dass Frau Präsidentin Jank und Dr. Aichinger als Obmann der Sparte Handel diesen Weitblick besitzen. Auch wenn ihnen ein rauer Wind ins Gesicht bläst, wird ihnen der Dank für eine vernünftige Vertretung der Händlerinteressen zukommen, selbst wenn sie von Menschen wie Ihnen und manchen schlagzeilengeilen Medien als "Verhinderer" bezeichnet werden. Ich hoffe, dass unsere Interessenvertreter damit auch weiterhin gut leben können. Sonderregelungen wie für die bevorstehende Euro 2008 sollten die Ausnahme bleiben.
Insgesamt geht es um die Vertretung der Wiener Händlerinteressen und nicht um eine Allianz mit Kirche, Gewerkschaft oder anderen, obwohl auch auf diesen Ebenen nichts für eine Ausweitung der Öffnungszeiten spricht. Über die Sellungnahme der Kammer hinaus gesehen hat das letzte Wort ohnehin der Konsument. Und auch der ist mit den derzeitigen Öffnungszeiten mehrheitlich sehr zufrieden.
Für mich liegt fast der Verdacht nahe, dass Sie gerne SCS und Lugnercity zu Ihren Klienten zählen möchten. Oder haben Sie wirklich ein so schlechtes Zeitmanagement, dass Sie im Rahmen der momentanen Öffnungszeiten nicht genügend Zeit finden, Ihre Einkaufswünsche zu befriedigen? Ein kleiner Tipp: Auf Ihrer Webseite kann man Ihre guten Verbindungen zu Unternehmen in unseren östlichen Nachbarländern ersehen. Fragen Sie doch einmal in Prag, Bratislava, Tallinn, Bukarest, Zagreb oder Budapest, wie wenig eine Verkaufsberaterin dort für eine Sonntagüberstunde bezahlt bekommt. Damit wären wir dann auf der sozialen Ebene, über die wir uns wahrscheinlich auch noch stundenlang unterhalten könnten. Der Großteil der Wiener Händler legt Wert auf zufriedene MitarbeiterInnen. Mit den Aufgaben einer Kammer als Interessenvertretung von Unternehmern hat das zwar nichts zu tun, rundet aber das Gesamtbild für die „Notwendigkeit“ einer Liberalisierung nur entsprechend ab. Freundliche Grüße,
Herbert Gänsdorfer