Pressekommentar
02.09.2010
In wenigen Wochen werden in Wien die politischen Weichen neu gestellt. Der künftigen Ausrichtung der Wirtschaftspolitik kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, ist doch das BIP Wiens in den letzten zehn Jahren deutlich langsamer gewachsen als der Österreich-Schnitt. Darüber hinaus wird der Wettbewerb der europäischen und internationalen Standorte immer herausfordernder. Von der nächsten Wiener Stadtregierung wird daher eine verbindliche Strategie einer Wachstumsoffensive gefordert. Bestehende Stärkefelder sind offensiv weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Forcierung neuer Wachstumsbranchen wie zum Beispiel der gesamte Energie- und Umweltsektor oder der Sicherheits- oder Gesundheitsbereich voranzutreiben.
Langfristig Wachstum ermöglichen
Prioritär müssen auch alle Maßnahmen zur Entlastung der Wirtschaftstreibenden sein. Eine unübersichtliche Förderlandschaft, überbordende Landesvorschriften, aufwändige öffentliche Vergabeverfahren, die auf die kleinbetrieblichen Strukturen der Wiener Gewerbe-, Handels- und Tourismuswirtschaft nicht ausreichend Rücksicht nehmen, sind allesamt wachstumshemmend und schaden den heimischen Betrieben ebenso wie Wiens Position als attraktiver Standort für internationale Investoren.
Der starken Ausrichtung unserer Wirtschaft in den wissensintensiven Dienstleistungen muss ein gesunder Anteil an produzierenden Betrieben aus Gewerbe und Industrie gegenüberstehen, um langfristig Wachstum zu ermöglichen und hochwertige Arbeitsplätze zu sichern. Dabei geht es um die Sicherung bestehender Betriebsflächen genauso wie um das Stadtentwicklungsgebiet Aspern, wo es gelingen muss, einen Betriebsstandort mit enger Verbindung zu F&E-Einrichtungen zu entwickeln, der internationalen Maßstäben gerecht wird und neue Impulse für die gesamte Region setzt.
Zielvereinbarung für die Legislaturperiode 2010 – 2015
Ein verbindliches Einzelhandelskonzept, mit dem die Vielfalt der Geschäftsstraßen erhalten und der Handel gegenüber der Konkurrenz durch Einkaufszentren im Umland gestärkt wird, der Ausbau von Logistikzentren, Erleichterungen für den Wirtschaftsverkehr und viele weitere Forderungen sind Teil unseres Wirtschaftsprogramms, das in eine verbindliche Zielvereinbarung für die Legislaturperiode 2010 – 2015 münden soll. Damit die kommenden Jahre erfolgreiche Jahre für die Wiener Wirtschaft werden.
19.08.2010
Von den insgesamt 550.000 Arbeitsplätzen der gewerblichen Wirtschaft Wiens wurden rund 103.000 von ausländischen Investoren geschaffen. In Summe entfallen zurzeit etwa 75 Milliarden Euro ausländischer Direktinvestitionen auf die Bundeshauptstadt, womit Wien bisher fast 70 Prozent alle Investitionen in Österreich auf sich verbuchen kann. Allein schon diese Zahlen belegen, welchen gewichtigen Stellenwert Niederlassungen und Headquarters ausländischer Unternehmen und Konzerne für die Wiener Wirtschaft haben. Ihre Bedeutung geht freilich noch weiter. Sie agieren als Auftraggeber für heimische Betriebe, sie investieren in Forschung und Entwicklung, sie bieten ihren Wiener Partnern Kontakte in ihre Heimatmärkte und tragen so zur immer stärkeren Internationalisierung der Wiener Wirtschaft bei. Im Gegenzug bietet Wien exzellent ausgebildete Fachkräfte, wertvolles Know-how am Sprungbrett in die CEE-Region, beste Flugverbindungen in die ost- und südosteuropäischen Länder und hervorragende B2B-Partner. Man kann also mit Fug und Recht von einer Win-win-Situation sprechen.
Konkurrenz wird größer
Bei den Standortentscheidungen großer internationaler Konzerne sieht sich Wien allerdings einer immer schärfer werdenden Konkurrenzsituation ausgesetzt. Vor allem Städte wie Prag und Budapest haben in den letzten Jahren deutlich aufgeholt und ausländische Investitionen erfolgreich angeworben, aber auch der innerösterreichische Wettbewerb um produzierende und forschungsgetriebene Unternehmen ist im vollen Gange.
Wirtschaftsagentur besser ausstatten
Um in- und ausländische Investoren künftig wesentlich aktiver als bisher anzuwerben und ein persönliches Key-Account-Management im Bereich der internationalen Betriebsansiedlungen aufzubauen, ist die Wirtschaftsagentur Wien zu stärken und mit ausreichenden Ressourcen in personeller und finanzieller Hinsicht auszustatten. Dabei muss es um den Aufbau langfristiger Prozesse und Beziehungen gehen, die auch vom persönlichen Engagement der politisch Verantwortlichen in der Stadt Wien getragen werden. Als Interessenvertretung werden wir uns auch weiterhin für den Abbau behördlicher Verpflichtungen für ausländische Manager und deren Angehörige einsetzen, um das Gefühl des persönlichen Willkommenseins zu unterstreichen. Auch das gehört zu einem starken Wirtschaftsstandort. Schließlich sind es immer die Menschen, die über Ansiedelung und Verbleib an einem Standort entscheiden.
04.08.2010
Nach den Erfahrungen der jüngsten Finanzkrise wollen die führenden Industriestaaten der Welt bei der Absicherung des internationalen Finanzsystems nun neue Wege gehen. Basel III ist dabei eines der Schlüsselprojekte. Im Kern der Sache geht es um eine Verbesserung der Eigenkapitalausstattung der Bankinstitute, damit diese dem nächsten rauen Wind widerstehen können. Dieser Plan ist zu begrüßen, solange die Bestimmungen nicht überzogen werden. Zwingt man die Banken aber in ein zu enges Eigenkapital-Korsett, kommt es zu einem Rückgang des Kreditvolumens, zu höheren Kreditkosten und zu einer Verschärfung der Vergabekriterien. Damit würde sich die Finanzierungssituation für die Realwirtschaft abermals dramatisch verschärfen. Der zuletzt vom Gouverneursrat des Baseler Ausschusses vorgelegte Plan hätte eben dies bewirkt. Konkret erwartete das Institut für höhere Studien für Österreich 20 Prozent weniger Kreditvolumen, 1,7 Prozent weniger BIP und einen Verlust von 46.000 Arbeitsplätzen. Die Gefahr scheint vorerst abgewendet, mussten die Basel III-Planer doch vor wenigen Tagen dem groß angelegten, europaweiten Protest von Interessenvertretungen – darunter auch die Wirtschaftskammer - und Banken nachgeben und eine Entschärfung ihres Plans zusagen.
Co-Pilot der Realwirtschaft
Vom Tisch ist das Projekt aber damit nicht. Im September will der Rat seinen überarbeiteten Plan präsentieren und festlegen, wie hoch das Eigenkapital von Banken mindestens sein muss und welche Übergangsfristen eingeräumt werden. Beides sind Werte, die für die Zukunft des österreichischen Finanz- und Wirtschaftssystems von eminenter Bedeutung sind. Denn sie entscheiden darüber, wie gut der Bankensektor seine Aufgabe erfüllen kann, den zähen Aufschwung mit aller Kraft zu unterstützen. Den Banken muss es möglich sein, wirtschaftlich vertretbare Kreditvergaben zügig zu tätigen und ein verlässlicher Co-Pilot der Realwirtschaft zu sein, wo hinter Finanzierungen echte Geschäfte liegen. Österreichs Banken sind dazu heute absolut in der Lage, wie auch der jüngst, positiv bestandene „Stresstest“ gezeigt hat. Strenge Regeln braucht es aber sehr wohl für Geschäfte mit Finanzprodukten, hinter denen keine realen Geschäfte liegen. Hier ist die Staatengemeinschaft international noch lange nicht am Ziel.
22.07.2010
Wiens Bevölkerung wächst jedes Jahr um etwa 10.000 Menschen. Menschen, die nicht nur Wohnraum, sondern auch Ausbildungsmöglichkeiten, Arbeitsplätze und Entwicklungschancen brauchen. Eben dies wird durch die Entwicklung der letzten 20 Jahre immer schwieriger. Denn der Anteil der produzierenden Wirtschaft in Wien hat sich auf 17 Prozent der Wirtschaftsleistung verringert, stolze 83 Prozent unserer Wirtschaft entfallen auf Dienstleistungen. Was im Krisenjahr 2009 mit einem stark eingebremsten Welthandel ein Vorteil war, wird nun zum Hemmschuh. Denn die Auslandsnachfrage gewinnt überraschend schnell an Fahrt – und nimmt Wiener Betriebe nicht im selben Tempo mit. Wien muss sich in den nächsten Jahren daher sehr intensiv mit der Herausforderung befassen, wie es produzierende Betrieben am Standort Wien die Zukunft sichert, Neuansiedelungen ohne programmierte Konflikte mit der Anrainerschaft vorantreibt und der Wirtschaftsleistung der Wiener Produktion wieder mehr Gewicht gibt. Eben das stärkt unsere Fähigkeit, nach einer Krise rascher aufzustehen und garantiert den Menschen in unsere Stadt jene Entfaltungsmöglichkeiten, die ein vielseitig ausgerichteter Standort bieten muss.
Neuer Ombudsmann
Ein wesentlicher Kritikpunkt vieler produzierender Betriebe sind nach wie bürokratische Hürden. Um dieses Problem nachhaltig zu lösen, wird die Wirtschaftskammer Wien in Kürze einen neuen Ombudsmann installieren, der sich in einem ersten Schritt speziell um produzierende Betriebe und ihre Probleme mit der Verwaltung kümmern wird. Es ist dies der Versuch, in Zusammenarbeit mit Ämtern und Behörden das gegenseitige Verständnis zu verbessern, Problemlagen offen zu legen und schlussendlich zufrieden stellenden Lösungen zuzuführen – wie dies mit unserer Ombudsstelle für Unternehmensfinanzierungen gegen die Kreditklemme bereits hervorragend gelungen ist. Kurzfristig wird damit jenen Betrieben geholfen, die sich durch lange Verfahren und verschärfte Auflagen ungerecht behandelt und in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet sehen. Langfristig kann daraus ein Umdenken in der öffentlichen Verwaltung Platz greifen, die Fehlentwicklungen von vornherein verhindert. Wir werden hier einen langen Atem beweisen.
12.07.2010
Die Wiener Tourismusbranche blickt auf eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte zurück. Bis 2008 folgte ein Nächtigungs- und Umsatzrekord auf den anderen. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren die anerkannt hohe Qualität und Dienstleistungsorientierung der Tourismusbetriebe. Auf eben diese Stärken zu setzen, erweist sich auch gegenwärtig als richtiger Weg. Denn nach den schweren Rückschlägen im Krisenjahr 2009 gelingt nun die Erholung der Branche rascher als erwartet. Zumindest bei den Nächtigungen, wo gegenüber dem Vorjahr hohe Zuwächse erreicht werden. Allerdings liegen die Umsätze früherer Jahre noch außer Reichweite. Die krisenbedingte Absenkung der Preise gilt es nun schrittweise wieder aufzuholen, denn Nächtigungen alleine machen noch keine gute Bilanz.
Wiener Tourismusbetriebe bestens aufgestellt
Unter Druck steht das Wiener Preisniveau allerdings auch wegen der großen Anzahl an Betten. Neubauten und Erweiterungen brachten in den letzten Jahren einen Bettenzuwachs um etwa zehn Prozent, ähnlich große Steigerungen wird es auch in den nächsten Jahren geben. Diese Kapazitäten müssen durch eine noch engagiertere Vermarktung der Destination Wien ausgelastet werden. Wachstumsmöglichkeiten sind insbesondere im Quellmarkt Osteuropa gegeben, wie die respektablen Zuwächse bei Gästen aus Rumänien und Russland zeigen. Weiter erschlossen muss aber auch der arabische Raum werden. Bei den Österreichern ist Wien bereits gut verankert. Die Besucher aus den anderen Bundesländern sind heute der zweitgrößte Umsatzbringer.
Möglichkeiten der noch besseren Positionierung Wiens bei unseren Gästen gibt es reichlich. Etwa ein Leitsystem für Sehenswürdigkeiten, eine Belebung des Donaukanals, eine Verbesserung der Ankunftssituation auf Bahnhöfen und am Flughafen und zweisprachige Beschilderungen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine Verbesserung bei den Rahmenbedingungen muss es aber auch bei der Visa-Erteilung für Touristen geben. Speziell bei arabischen Ländern hemmen die aktuellen Bestimmungen Wachstumsmöglichkeiten. Bestens aufgestellt, um den Gästen je nach Geschmack das richtige zu bieten, sind die Wiener Tourismusbetriebe jedenfalls. Anders wäre das rasche Come-Back auch nicht möglich.
24.06.2010
120 österreichische Unternehmen haben den entscheidenden ersten Schritt über die Grenze bereits gewagt und in der Türkei investiert, mehr als 1000 Betriebe betreiben Außenhandel mit dem aufstrebenden Land am Bosporus. Künftig müssen es noch deutlich mehr werden, denn die Türkei wandelt sich zu einem modernen Industriestaat, mit umfassenden Investitionen in die Infrastruktur, in das Gesundheitswesen und im Energiesektor. Zugleich verzeichnet das Land eine äußerst dynamische Entwicklung der Bevölkerung, deren Lebensstandard rasant steigt und westlich orientierte Konsumgewohnheiten annimmt. Als Produktionsstandort gilt die Türkei längst nicht mehr als Billiglohnland mit schlechter Qualität, sondern besticht durch ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis. In Summe ergibt dies ein reiches Betätigungsfeld für Wiener Betriebe, die nach verlässlichen, zielorientierten Geschäftspartnern für Exporte, Beschaffungen oder Kooperationen suchen.
Zeit für eine Neuorientierung
Eben letzteres – die Kooperationsmöglichkeiten – sind es, auf denen künftig ein noch viel stärkerer Fokus zu legen ist, eröffnen doch türkische Unternehmen mit ihren hervorragenden Beziehungen in den zentralasiatischen und arabischen Raum wirtschaftliche Perspektiven für Wiener Unternehmen, die bislang vielfach außer Reichweite schienen. Mit Unterstützung der Außenhandelsstellen der Wirtschaftskammer bestehen ausgezeichnete Chancen, neue, bislang wenig umworbene Märkte zu erschließen. Auch in Osteuropa hat es sich bezahlt gemacht, den unternehmerischen Fuß frühzeitig in der Tür zu haben. Jetzt, wo sich die wirtschaftliche Entwicklung im CEE-Raum - zumindest vorübergehend - abgeflacht ist, ist es Zeit für eine Neuorientierung. Märkte wie die Türkei oder auch China, die derzeit als einzige Länder der zwanzig wichtigsten Handelspartner Österreichs bedeutende Wachstumsraten verzeichnen, weisen den Weg. Zu beschreiten ist er von Betrieben, die den notwendigen Mut zum Risiko aufbringen, von den eignen Produkten oder Dienstleistungen überzeugt sind und sich gründlich vorbereiten, wie jene 35 Unternehmensvertreter, die im Rahmen einer Wirtschaftsmission der Wirtschaftskammer Wien vor wenigen Tagen den türkischen Markt sondierten. Der EU-Beitrittskandidat Türkei hat sie freudig empfangen.
17.06.2010
Die überwiegende Mehrheit der Wienerinnen und Wiener treibt regelmäßig Sport und lässt sich das auch einiges kosten. Im Schnitt werden 350 Euro pro Person für Sportausrüstung, Veranstaltungen, Bekleidung und Sportaktivitäten im Urlaub ausgegeben, so eine aktuelle Studie. In den letzten Jahren hat sich die Wiener Sportwirtschaft wirtschaftlich weit über dem Durchschnitt entwickelt und verzeichnet mittlerweile knapp 300 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, um 30 Prozent mehr als 2001. Und die Tendenz geht weiter nach oben. Auch in den nächsten Jahren sind weitere Zuwächse zu erwarten, denn das Gesundheits- und Fitnessbewusstsein der Bevölkerung steigt stetig. Mit der Sportwirtschaft verfügt Wien damit über eine sehr vitale Branche und zugleich über einen wichtigen Wachstumsmarkt, dessen Erfolgsgeheimnis in einer wertvollen Symbiose besteht. Denn die Wirtschaftsbetriebe aus der Sportwirtschaft sind seit vielen Jahrzehnten mit den zahlreichen Sportvereinen eng vernetzt, haben ihre Angebote gut aufeinander abgestimmt und pflegen intensive Kooperationen. Es ist dies ein Vorzeigebeispiel für eine gelungene Verbindung von gewinnorientierten Unternehmen und gemeinnützigen Vereinen zum beiderseitigen Nutzen.
Auch für das spätere Leben von entscheidender Bedeutung
Besonders wertvoll ist die enge Zusammenarbeit im Bereich der Jugendarbeit. Über 500 Nachwuchsmannschaften trainieren im Wiener Fußball mit über 13.000 Spielern für sportliche Erfolge in einer Disziplin, die gerade bei den jüngeren Wienern hoch im Kurs steht. Wichtig sind die Bemühungen der Trainer und vieler ehrenamtlicher Vereinsmitarbeiter aber nicht nur für das Entdecken neuer Fußballhoffnungen. Vielmehr ist die Arbeit mit den Jugendlichen, gerade in Mannschaftssportarten wie Fußball, auch für das spätere Leben von entscheidender Bedeutung. Die Jugendlichen lernen, wie man mit viel Disziplin, Einsatz und Selbstmotivation Ziele anstreben und erreichen kann, wie persönliche Erfolge das Selbstbewusstsein steigern und wie man im Team gemeinsam stark ist. Gerade in Zeiten, wo soziale Kompetenz im Berufsleben immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die Nachwuchsarbeit in Sportvereinen nicht hoch genug einzuschätzen und daher intensiv zu fördern. Viele Wiener Betriebe engagieren sich bereits sehr aktiv und unterstützen lokale Sportvereine, meist aus ihrer unmittelbaren Umgebung. Diesen Betrieben ist ein besonderer Dank auszusprechen.
10.06.2010
Nachdem sich die Asche des isländischen Vulkans als weitere wirtschaftliche Erschwernis für Fluglinien und Tourismus gelegt hat, steht nun in ganz Europa die Sanierung der Haushalte wieder im Vordergrund. Dabei zeigt sich, dass die Betroffenheit der einzelnen Länder offenbar sehr unterschiedlich ist. Griechenland, das mit seiner schockierenden Wirtschaftspolitik in beispielloser Art Geschichte geschrieben hat, musste sich ein 30 Milliarden-Euro-Sanierungspaket verordnen. Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, legte vor wenigen Tagen ein Sparpaket mit einem Volumen von unvorstellbaren 80 Milliarden Euro vor. Spanien steht mit 65 Milliarden Euro Sanierungsbedarf dem deutschen Weg praktisch um nichts nach. Großbritannien hingegen wollte zuletzt mit sieben Milliarden weniger auskommen, Frankreich will offiziell von keinem Sparpaket sprechen, ebenso halten es einige andere Länder der Euro-Zone. Österreich will sein Paket im Herbst präsentieren. Danach beginnt auch für uns ein neues Zeitalter. Denn die Budgetsanierung wird zum wirtschaftspolitischen Scheideweg, bei dem viel richtig, aber vor allem auch viel falsch gemacht werden kann.
Gründliche Diskussion über mögliche Maßnahmen
Doch welcher ist der richtige Weg? Darüber sind sich nicht einmal die führenden Wirtschaftsforscher des Landes einig, wie wir leider immer wieder auch öffentlich mitverfolgen können. In der Tat sind Auswirkungen von Einsparungen bei den Staatsausgaben und Steuererhöhungen auf die erst schwache Konjunktur sehr schwer abzuschätzen. Umso umfassender und gründlicher muss die Diskussion über mögliche Maßnahmen sein. Je stärker die politisch Verantwortlichen hier auf Kooperation, Offenheit, Konsens und eine klare Vision für den Standort setzen, umso eher wird sich am Ende auch das präsentieren lassen, was wir für unsere Zukunft brauchen: Ein Budget, bei dem wir nicht über unsere Verhältnisse leben, Leistung weiterhin belohnen und das die staatliche Verwaltung zur ständigen Weiterentwicklung und Effizienzsteigerung motiviert, die für die Wirtschaft selbstverständlich sind.
07.06.2010
Für viele Wiener Betriebe bleibt die wirtschaftliche Situation weiterhin angespannt. Gerade Klein- und Mittelbetriebe leiden unter einer niedrigen Eigenkapitalquote und einer hohen Abhängigkeit von Bankfinanzierungen, wie eine aktuelle Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien neuerlich gezeigt hat. In Wien entfallen rund 40 Prozent des Gesamtkapitals von Unternehmen mit maximal 500.000 Euro Jahresumsatz auf Bankverbindlichkeiten, die Eigenkapitalquote liegt hier deutlich unter 20 Prozent. Umso wichtiger ist die Verfügbarkeit von rasch erhältlichen Kleinkrediten, die ohne lange Verfahren und zum Teil auch mit Haftungsübernahmen durch das Land vergeben werden. Eben dafür haben die fünf führenden Bankinstitute gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien die Initiative ergriffen. Seit 1. Juni bieten diese Banken den Wiener KMU nun neuartige Kleinkredite bis 10.000 Euro, um Investitionen und Betriebsmittel zu finanzieren. Zusätzlich ist es der Wirtschaftskammer auch gelungen, die Stadt Wien zur Fortführung der Gemeinsamen Kreditaktion auf dem historisch hohen Niveau von 2009 zu bewegen. In Summe stehen den Wiener KMU über die verschiedenen Kreditprodukte nun 19 Millionen Euro zur Verfügung.
Positive Stimmung in Investitionen umsetzen
Diese neue Form der Unterstützung, auf die ich viele Monate gedrängt habe, kommt nun zur absolut richtigen Zeit. Denn auch die meisten Wiener Betriebe stehen am Beginn einer konjunkturellen Erholung und brauchen günstige Finanzierungen für ihren wirtschaftlichen Aufschwung. Sie verzeichnen steigende Auftragseingänge und rechnen mit einer besseren Geschäftslage als 2009. Jetzt gilt es, diese positive Stimmung auch in Investitionen umzusetzen. Auch die OECD hat in ihrem jüngsten Bericht die Konjunkturerwartung für Österreichs Wirtschaft nach oben revidiert. Demnach könnte es schon im nächsten Jahr über zwei Prozent Wachstum für Österreich geben. Doch Prognosen sind erst eine Voraussage auf etwas, das sich noch nicht erfüllt hat. Daher müssen jetzt alle Maßnahmen gesetzt werden, um aus der Ansage ein Ereignis zu machen. Die Finanzierungsfrage ist dafür ein Schlüsselthema.
02.06.2010
In den Verhandlungen der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) mit der Ärztekammer um einen gerechten Leistungsvertrag für gewerblich Versicherte ist weiterhin kein Ergebnis in Sicht. Mit 1. Juni trat ein vertragsloser Zustand in Kraft, der nichts an sozialer Kälte vermissen lässt. Denn die Ärztekammer legte den Ärzten nahe, ihre Tarife umgehend um 20 Prozent anzuheben – und drohte ihren Mitgliedern dem Vernehmen nach mit disziplinären Konsequenzen, sollten sie mit der SVA kooperieren. Dass 60 Prozent der SVA-Versicherten mit einem Monatseinkommen von 1000 Euro auskommen müssen, schien die Ärztekammer nicht weiter zu irritieren. Davor war ein Verhandlungsangebot nach dem anderen abgeschmettert worden. Selbst eine vorübergehende Vertragsverlängerung zur Fortführung der Gespräche wurde postwendend abgelehnt.
Weniger Selbstbehalt
Worum es bei dem offenen Konflikt eigentlich geht, ist in der letzten Zeit allerdings wenig berichtet worden. Die SVA kämpft darum, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer fair behandelt werden und weniger Selbstbehalt zahlen müssen. Gefordert wird gleiches Geld für gleiche Leistung und damit ein Ende der hohen Tarife, die den gewerblich Versicherten von der Ärztekammer vorgeschrieben werden. Im Schnitt liegen die Preise für die Behandlung von Selbstständigen um 50 Prozent über denen, die für Versicherte der Gebietskrankenkasse verrechnet werden. Dieser Zustand darf nicht länger fortgesetzt werden! Jetzt, wo ein neuer Vertrag zu verhandeln ist, müssen die Weichen neu gestellt und die Geldbörse der Unternehmer entlastet werden. Gibt man der Ärztekammer jetzt nach, wird der Zustand auf Jahre hinaus einzementiert.