Pressekommentar
16.05.2013
Die Finanzierung der klein- und mittelständischen Wirtschaft in Österreich läuft nach wie vor fast ausschließlich über den klassischen Bankkredit. Alternative Finanzierungsformen sind hierzulande wenig entwickelt – zum Unmut vieler Unternehmen, die zwar mit einer innovativen Geschäftsidee und einem ausgezeichnetem Businessplan punkten, weniger aber mit handfesten Sicherheiten und ausreichendem Eigenkapital, wie dies die strengen Basel III Vorschriften, nach denen die heimischen Banken ihre Kunden bewerten müssen, vorsehen. Viele erfolgsversprechende Unternehmensentwicklungen werden dadurch erschwert bis unmöglich gemacht.
Geschäftsidee realisieren
All das müsste nicht sein, denn es gibt viele Menschen, die in das Können und die Gestaltungs- und Wirtschaftskraft von klein- und mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmern so viel Vertrauen haben, dass sie bereit sind, in deren Wachstum zu investieren. Die Modelle und Wege sind dabei höchst unterschiedlich – von privaten Darlehen über stille Beteiligungen an Unternehmen bis zu Vorkaufsvereinbarungen, bei denen der Geldgeber die Produktion vorfinanziert. Auch immer mehr Unternehmer wollen sich diese zusätzliche Finanzierungsoption eröffnen und über Crowdfinancing ihre Geschäftsidee realisieren. Dafür fehlt in Österreich allerdings noch der rechtliche Rahmen, wie der Fall eines Waldviertler Unternehmers jüngst deutlich gezeigt hat.
Solider rechtlicher Rahmen
Anzusetzen ist in einem ersten Schritt daher bei den Betragsgrenzen für die Prospektpflicht, also bei den Kapitalmarktauflagen für die Ausschreibung solcher Finanzierungsformen. Derartige Prospekte sind nach den bestehenden Vorschriften zeit- und vor allem kostenintensiv, sodass die niedrigen Grenzsätze die Ausschreibung geringer Beträge unwirtschaftlich macht. Zudem sind die Bankwesenvorschriften anzupassen, um eine Durchführung und Vermittlung solcher Finanzierungsformen auch außerhalb des Bankenbereichs zu ermöglichen. Alles in allem braucht Crowdfinancing also in Österreich einen soliden rechtlichen Rahmen, um diese Form der alternativen Unternehmensfinanzierung ergänzend zum Angebot an Bankkrediten zu entwickeln, wie dies auch in anderen Ländern – etwa in Großbritannien, Dänemark, Finnland oder den USA – bereits der Fall ist. Denn Unternehmer sollen für ihr jeweiliges Vorhaben die jeweils optimalste Finanzierungsform zur Verfügung haben und selbst entscheiden können, was am besten zu ihnen passt. Crowdfinancing ermöglichen heißt aber auch, dass das Kapital in Österreich investiert werden würde und all jene, die schon heute auf dieser Basis in ausländische Unternehmen investieren eine echte Alternative hätten.
08.05.2013
Der Erfolg einer Volkswirtschaft hängt vor allem von dem Vertrauen der Unternehmer in ihr Können, ihr Wissen und ihre Kompetenz ab. Aber nicht zuletzt spielt auch die allgemeine Stimmung eine wesentliche Rolle. Nach allen Sachentscheidungen müssen Unternehmer auch wichtige Zukunftsfragen auf Basis ihrer persönlichen Einschätzungen und Erwartungen beantworten. Wiens Unternehmen stehen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation überwiegend positiv gegenüber, sie vertrauen auf ihre Stärke, sich auch unter geänderten Marktbedingungen zu behaupten. Das ist das Ergebnis unserer aktuellen Befragung unter mehr als 1000 Betrieben.
Bedeutender Teil des Wachstumsmotors in Europas
Konkret sehen 36 Prozent der befragten Unternehmen ihre Branche aktuell in einer guten bis sehr guten Situation, lediglich 20 Prozent beurteilen die Situation als schlecht, was trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein sehr positives Ergebnis ist. Besonders zuversichtlich sind jüngere Unternehmer und solche, die in den letzten Jahren gegründet haben. Die Umfrage beweist einmal mehr, dass Wien auf ein starkes Unternehmertum aufbauen und vertrauen kann. Wir sind heute ein bedeutender Teil des Wachstumsmotors innerhalb Europas, auf dessen Antriebskraft weder Österreich noch die EU verzichten können. Diese Kraft und diesen Optimismus mit den richtigen Maßnahmen zu fördern, ist unabdingbar. Ganz besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften. Auch wenn die Thematik komplex ist und der große Wurf politisch derzeit, wie es scheint, nicht realisierbar ist, können wir auf einige positive Entwicklungen blicken. So gibt es beispielsweise durch die permanente Thematisierung der Lehrausbildung heute eine so intensive Auseinandersetzung mit der dualen Ausbildung wie schon lange nicht mehr.
Gemeinsame nationale Anstrengung
Unser Ziel muss aber weiterhin sein, den Stellenwert der Lehre im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern und mehr und mehr Jugendliche für die Lehre als attraktive Alternative zum schulischen System zu gewinnen. Dass man parallel dazu auch Matura machen kann, scheint bei vielen Eltern noch nicht angekommen zu sein. Entscheidend für unsere weitere wirtschaftliche Prosperität wird die Begeisterung der Jugend für technische und naturwissenschaftliche Berufe sein. Zahlreiche Projekte konnten wir schon starten. Zur wirksamen Entfaltung bedarf es aber einer gemeinsamen nationalen Anstrengung. Diese und alle weiteren Bemühungen sind notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe und deren positive Stimmung zu erhalten.
02.05.2013
Mit einer Abgabenquote von mehr als 44 Prozent ist Österreich im internationalen Vergleich schon heute ein Hochsteuerland. Der Großteil der Steuerleistung wird dabei von den Betrieben aufgebracht, was naturgemäß im Wettbewerb die heimischen Unternehmen gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten benachteiligt. Es besteht daher kein Zweifel, dass das verkraftbare Ausmaß der Belastung längst erreicht ist und weitere Belastungen von den Betrieben nicht mehr geschultert werden können. Zu diesem Ergebnis kommt nun auch eine Studie der KMU Forschung Austria, die die Auswirkungen neuer Vermögens-, Erbschafts- oder Schenkungssteuern, wie diese von der Sozialdemokratie verlangt werden, untersucht hat.
Schwächung der Konkurrenzfähigkeit
Das Ergebnis ist so eindeutig wie schlecht. Zwei Drittel des prognostizierten Steueraufkommens wären vorrangig von den Klein- und Mittelbetrieben zu leisten, so die Studie. Allein dadurch wären jährlich rund 16.000 heimische Arbeitsplätze vernichtet. Mindestens ebenso dramatisch wären die Auswirkungen einer Neuauflage der Erbschafts- und Schenkungssteuer. In Wien stehen in den kommenden Jahren rund 10.000 Betriebe zur Übergabe an, was für ein durchschnittliches KMU schlagartig zu Steuerleistung jenseits von 150.000 Euro führen würde, so die KMU Forschung Austria. Unter diesen Bedingungen wird die wirtschaftliche Kraft und Konkurrenzfähigkeit der Betriebe geschwächt, wenn nicht überhaupt Betriebsübergaben und damit die Sicherung von Unternehmenswerten und Arbeitsplätzen vielfach schlichtweg scheitern.
Wachstumsbremse und Arbeitsplatzvernichtung
Österreichs Betriebe dürfen deshalb nicht mit neuen Steuern, die als Wachstumsbremse und Arbeitsplatzvernichtung wirken, weiter belasten werden. Unternehmenssubstanz und Eigenkapital müssen vor vordergründigem Populismus geschützt werden. Die Bewältigung schwieriger Zeiten braucht bessere Ideen. Umstrukturierung, Reformwille, Effizienzsteigerung sind nicht nur Aufgaben der Wirtschaftsunternehmen, sie gelten gleichermaßen für den gesamten öffentlichen Bereich. Davon würden dann alle profitieren – Wirtschaft, Gesellschaft und der Staatshaushalt.
26.04.2013
Die Tage rund um den 1. Mai werden wieder viele Politiker und Arbeitnehmervertreter zum Anlass nehmen, um ein Feuerwerk an Forderungen über die Betriebe loszulassen. Mit dem Ruf nach Erhöhung der Abgabenlast für Unternehmer, nach einer Lehrlingsmilliarde, Vermögenssteuern oder einer Wertschöpfungsabgabe wird es aber nicht gelingen, die durchaus herausfordernden Zeiten zu bezwingen. Dabei wird nämlich geflissentlich übersehen, dass es keine Trennung in Unternehmer und Mitarbeiter geben kann. Denn gemeinsam sind die mehr als 400.000 österreichischen Unternehmer und ihre knapp drei Millionen Beschäftigten DIE Wirtschaft und sorgen zusammen für Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität. Gemeinsam stellen sie sicher, dass Österreich eine erfolgreiche Volkswirtschaft ist, die zu den reichsten Nationen der Erde zählt.
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
Hinter diesen Erfolgen steht ein werteorientiertes Wirtschaftssystem, das auf den Erfolgschancen unternehmerischen Handelns beruht, auf unternehmerischer Eigenverantwortung und einem fairen Miteinander. Dieses System stellt Beschäftigung, Innovation, Fortschritt und den Großteil des staatlichen Steueraufkommens sicher. Denn Unternehmer stehen für eine kluge Kombination aus Risikobereitschaft und unternehmerischer Kalkulation auf der einen Seite und Rücksichtnahme auf die Interessen der Mitarbeiter, der Lieferanten und Kooperationspartner auf der anderen Seite. Es ist daher die Aufgabe der Politik, dieses System in seinen Strukturen zu stärken und gerade in rauen Wirtschaftszeiten mit aller Kraft zu verteidigen und nicht zu belasten.
Der Politik ins Stammbuch geschrieben
Insbesondere betrifft das die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit – durch die Senkung der Lohnnebenkosten, ein international kompetitives Steuersystem, möglichst geringen bürokratischen Aufwand, einen einfachen Zugang zu maßgeschneiderten Förderungen, die Verfügbarkeit von bestens ausgebildeten Fachkräften oder eine leistungsfähige Infrastruktur, um nur einige der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren zu nennen. Umso mehr sind die jüngsten Vorschläge der Stadt zu einer Wertschöpfungsabgabe, die an die Stelle der in Europa einzigartigen U-Bahnsteuer treten soll, und die stärkere Besteuerung von Vermögen abzulehnen. Beides würde die Unternehmerinnen und Unternehmer hart treffen. Der Politik bzw. der Verwaltung sei daher in Anlehnung an ein Zitat von Arthur Schopenhauer ins Stammbuch geschrieben: Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts.
18.04.2013
Wien muss auch in Zukunft eine belebte Stadt sein. Eine Stadt, in der Händler, Dienstleister, Gewerbe- und produzierende Betriebe in allen Bezirken und Grätzeln neben öffentlichen Stellen, Freizeit- und Bildungseinrichtungen, kulturellen Angeboten und einem ansprechend gestalteten öffentlichen Raum wirtschaftlich aktiv sein können. Denn nur durch diese Art der Durchmischung, durch Vielfalt und eine Multi-Zentren-Strategie werden Kundenfrequenzen geschaffen, auf denen sich eine positive Wirtschafts- und Stadtentwicklung aufbauen lässt.
Richtschnur für die Stadtentwicklung
Diese für Wien neue Herangehensweise an das Thema Stadtentwicklung ist nur ein Eckpunkt des neuen „Masterplans zur Urbanitätsoffensive Wien“, zu dessen Erarbeitung ich vor eineinhalb Jahren renommierte Experten aus dem In- und Ausland, Bezirksvorsteher, Behördenvertreter und viele Unternehmerinnen und Unternehmer aus unterschiedlichen Branchen eingeladen habe. Diesen Bericht habe ich diese Woche in einem breit angelegten Symposium zur Diskussion gestellt, um weitere Sichtweisen in diesen größten und umfassendsten Denk- und Strategieprozess zur Zukunft unserer Stadt einzuholen. Den fertigen Bericht werde ich der Stadt Wien als Grundlage für den Stadtentwicklungsplan 2025 zur Verfügung stellen, der nächstes Jahr als Richtschnur für die Stadtentwicklung der kommenden Jahre beschlossen werden soll. Für die überwiegend klein- und mittelständisch strukturierte Wirtschaft in unserer Stadt ist dieser Prozess von unendlich großer Bedeutung.
Aktive Stadtentwicklungspolitik wichtig
Denn in den letzten Jahren ist es für viele Unternehmen schwierig geworden, in der Stadt wirtschaftlich aktiv zu bleiben. Beispielsweise für Betriebe in Nebenlagen, die durch die rasante Vermehrung von Verkaufsflächen in Einkaufszentren und Fachmärkten am Stadtrand unter Druck stehen. Oder für produzierende Betriebe, die durch eine ständige Verschärfung der Auflagen aus Wohngebieten verdrängt werden. All das muss nicht sein, denn es gibt Wege, es besser zu machen. Das zeigen auch die vielen internationalen Beispiele wie Barcelona, Hamburg oder Kopenhagen, deren Strategien im Masterplan verarbeitet wurden. Auch für Wien ist eine aktive Stadtentwicklungspolitik wichtig, notwendig – und möglich. Die Bedürfnisse der Unternehmen sind dabei zwingend zu berücksichtigen. Denn es sind die Unternehmen, die Leben in die Stadt bringen und ihr Erscheinungsbild prägen. Also: Rein in die Stadt!
11.04.2013
Die überwiegende Mehrheit der Wiener Betriebe sind Unternehmen mit wenigen oder gar keinen Mitarbeitern. Sie prägen die Struktur der Wiener Wirtschaft wesentlich und sind für das Funktionieren des wirtschaftlichen Gesamtgefüges entscheidend. Wiens Klein- und Kleinstbetriebe sind dabei von großer Diversität geprägt – je nach Branche, in der sie tätig sind, agieren sie auch in höchst unterschiedlichem Umfeld. Sie stehen dort aber oft vor denselben Herausforderungen wie große Unternehmen, müssen auf neue Entwicklungen rasch reagieren und sich an neue Gegebenheiten flexibel anpassen. Gemeinsam haben die Klein- und Kleinstbetriebe die Herausforderung, nicht nur fachlich bestehen zu müssen, sondern auch alle anderen Funktionen in ihrem Unternehmen perfekt auszufüllen.
FORUM EPU-etablierter Treffpunkt für Weiterbildung, Geschäftstätigkeit und Vernetzung
Welche Fähigkeiten dazu nötig sind, und welche Lernschritte sie durchlaufen, um auf dieser Reise erfolgreich zu sein, haben erst jüngst wieder die Absolventinnen und Absolventen des FORUM EPU Business Labors der Wirtschaftskammer Wien in beeindruckenden Präsentationen demonstriert. Klein- und Kleinstbetriebe schärfen in dem halbjährigen Lehrgang ihr unternehmerisches Profil. Besonders Ertrag orientiertes Denken, Nein sagen können zu Zeitfressern und die Notwendigkeit guter Vernetzung waren oft genannte Lernschritte. Das FORUM EPU der Wirtschaftskammer Wien mit seinen Veranstaltungen, Workshops und Meeting-Räumen ist hier inzwischen gut etablierter Treffpunkt für Weiterbildung, Geschäftstätigkeit und Vernetzung. Im mittlerweile eingerichteten Alumni Club der FORUM EPU Business Labor-Absolventinnen und Absolventen wird Vernetzung weiter gelebt.
Optimale Rahmenbedingungen schaffen
Der Wirtschaftskammer Wien als Interessenvertretung der Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer ist die Schaffung von optimalen Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entfaltung von Klein- und Kleinstbetrieben ein besonderes Anliegen. Ein aktuell anstehender wichtiger Schritt ist der Ausbau von alternativen Finanzierungsformen wie zum Beispiel Crowdfunding und Erleichterungen für Business Angels und Venture Capital- Geber in Form von Freibeträgen, damit Betrieben ein breites Finanzierungsanbot zugänglich ist. Die Wahl der Mittel zum wirtschaftlichen Erfolg muss so gestaltet sein, dass jeder Betrieb seinen Bedürfnissen entsprechend ein Angebot vorfindet.
04.04.2013
Die politischen Proponenten des Projekts Mariahilfer Straße Neu haben in den vergangenen Monaten das Vorhaben immer wieder auch als Maßnahme der Verkehrsberuhigung und Attraktivierung für die anrainende Wohnbevölkerung kommuniziert. Dass dieser Plan nicht aufgeht, zeigt eine Studie des Verkehrsplanungsbüros Käfer. Ganz im Gegenteil: Durch die Unterbrechung der Querungsmöglichkeiten bei der Schottenfeldgasse, der Zieglergasse und der Andreasgasse in Verbindung mit den zeitlich stark, auf die frühen Morgenstunden reduzierten Lieferzeiten innerhalb der Fußgängerzone kommt es zu einer eklatanten Verlängerung der Fahrtwege und Fahrtzeiten in den Neben- und Seitenlagen, was insgesamt zu einer deutlichen Steigerung des Verkehrsaufkommens im sechsten und siebenten Bezirk führen wird.
Neue, willkürlich erzeugte Verkehrsspitzen entstehen
Noch einschneidender sind aber die Auswirkungen auf die Betriebe in diesen Bezirken. Denn Lieferbetriebe müssen künftig die Fahrrouten wegen eines fehlenden Gesamtkonzeptes völlig neu organisieren. Da künftig für jeden Auftrag bis zu dreimal mehr Fahrzeit einzuplanen sein wird, werden die Betriebe nicht umhinkommen, ihren Fuhrpark zu erweitern, so die Studie. Das enge Zeitfenster für An- und Ablieferungen in weiten Teilen der Mariahilfer Straße lässt neue, willkürlich erzeugte Verkehrsspitzen entstehen, die für Lieferanten kaum abzudecken sein werden, den Verkehrsfluss belasten und die Versorgungssicherheit der ansässigen Unternehmen gefährden. Den Verkehr über lange Umwegrouten
umzuleiten, die Verkehrsbelastung in den Bezirken zu erhöhen, neue Stauzonen zu schaffen und die Unternehmen über die Maßen zu belasten, ist ebenso verantwortungslos wie kurzsichtig.
Weder der Bevölkerung noch den Betrieben zumutbar
Wien braucht nicht weniger, sondern mehr Wirtschaft. Wien braucht ein neues, gut durchdachtes Gesamtverkehrskonzept für beide Bezirke, das die Interessen aller berücksichtigt und nicht den Partikularinteressen Einzelner folgt. Eine try-and-error-Methode, wie sie derzeit im Raum steht und deren negative Folgen immer deutlicher absehbar werden, ist weder der Bevölkerung noch den Betrieben und deren MitarbeiterInnen zumutbar. Noch ist es nicht zu spät.
21.03.2013
In sechs Monaten wählt Österreich einen neuen Nationalrat. Dass das heimische Bildungswesen bis dahin grundlegend reformiert wird, ist unwahrscheinlich. Doch für die Zeit danach hat die Phase des Nachdenkens bereits begonnen. Dabei ist es besonders erfreulich, dass einmal mehr die österreichischen Sozialpartner - Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Landwirtschaftskammer und Gewerkschaft – initiativ wurden und sich in konstruktiver Zusammenarbeit auf eine gemeinsame Linie in Sachen Bildungsreform geeinigt haben. Diese Sozialpartner-Einigung ist ein echter Meilenstein und Vorgabe aller führenden Interessenvertretungen des Landes an die nächste Bundesregierung – wie auch immer sie zusammengesetzt sein wird.
Reformstau endlich aufbrechen
Es ist jedenfalls unabdingbar, in dieser für die Zukunft unseres gesamten Gesellschafts- und Wirtschaftssystems entscheidenden Frage an einem Strang zu ziehen, Vordenker der künftigen politischen Willensbildung zu sein und einen Beitrag dazu zu leisten, dass der jahrzehntelange Reformstau im österreichischen Bildungswesen endlich aufgebrochen wird. Konkret fordern wir unter anderem, dass die Bildungspotenziale jedes einzelnen viel stärker in den Mittelpunkt gerückt werden - im Unterricht ebenso wie in der Berufs- und Bildungsberatung. Die duale Ausbildung, um die uns ganz Europa beneidet und die die wichtigste Stütze unseres Fachkräfteangebots ist, muss weiter attraktiviert werden, um mehr Jugendliche als bisher dafür zu begeistern. Beispielsweise durch Teilqualifizierungen, einen Ausbau der Lehre mit Matura und mehr Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bildungswegen.
Geist der Veränderung
In den Pflichtschulen müssen verpflichtende Mindeststandards erreicht werden, um sicherzustellen, dass die Grundlagen für eine hochqualifizierte Ausbildung, wie es die duale Berufsausbildung nun einmal ist, gegeben sind. Und nicht zuletzt muss auch in die Frühförderung mehr investiert werden. Daher halten wir ein zweites, verpflichtendes Kindergartenjahr für notwendig, um Defizite etwa in der Sprachentwicklung oder bei Sozialkompetenzen gar nicht erst entstehen zu lassen. Das sozialpartnerschaftliche Bildungspapier umfasst noch viele weitere wichtige Punkte, ist gut durchdacht und mit viel Sachverstand ausgearbeitet. Es trägt den Geist der Veränderung in sich und verfolgt klare Ziele. Diese gilt es jetzt umzusetzen, je eher, umso besser.
14.03.2013
Was wäre Wien ohne seine Einkaufsstraßen? Wohl längst nicht so bunt, abwechslungsreich, lebenswert und beliebt wie heute. Laut einer Umfrage aus dem Vorjahr verbinden rund drei Viertel der Wienerinnen und Wiener mit den Einkaufsstraßen Eigenschaften wie Sympathie, Lebensqualität und hohen Service. Zu verdanken ist das in einem ganz besonderen Maße den rund 5000 Unternehmerinnen und Unternehmern aus Handel, Gastronomie und Gewerbe&Handwerk, die in den 78 Einkaufsstraßen-Vereinen engagiert sind. Mit ihrem solidarischen Einsatz sorgen sie dafür, dass jede Straße und jedes Grätzel ein eigenständiges Profil hat und mit einem vielfältigen Mix an Kundenbindungsmaßnahmen im Bewusstsein der Menschen fest verankert ist. Ganz besonders zu danken ist jenen Wirtschaftstreibenden, die zusätzlich zu ihrer unternehmerischen Tätigkeit und zur Mitgliedschaft in ihrem Einkaufsstraßen-Verein auch im Vereinsvorstand mitwirken und die Zukunft ihrer Straße weichenstellend mitgestalten. Auf ihnen lastet eine große Verantwortung. Der Wert dieses Engagements ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.
350 Veranstaltungen pro Jahr
Besonders zeitintensiv für die Mitwirkenden in den Vereinen sind die vielen Veranstaltungen. Denn sie sind mit allen Beteiligten abzustimmen, erfordern einen großen organisatorischen Aufwand und auch einen materiellen Einsatz, der nicht für jeden Betrieb einfach zu finanzieren ist. Hocherfreulich ist es daher, dass es - nach dem großen Erfolg des ersten Einkaufsstraßen-Festivals im vergangenen Herbst mit 1,5 Millionen Besuchern in 50 Straßen – auch heuer im September wieder ein Festival geben wird. Und auch bis dahin wird in den Einkaufsstraßen viel los sein – etwa rund um das bevorstehende Osterfest. In Summe kommen die Wiener Einkaufsstraßen pro Jahr auf mehr als 350 Veranstaltungen – und jede ist ein Gewinn für Wien.
Hochwertige Nahversorgung in Fußweite
Für die künftige Entwicklung Wiens sind die Wiener Einkaufsstraßen von ganz großer Bedeutung – sichern sie den Bewohnern der Stadt doch eine hochwertige Nahversorgung in Fußweite, ein vielfältiges Angebot und ein Zeichen der Vitalität. Das schätzen auch die Millionen Wien-Besucher, die unsere Stadt jedes Jahr als Touristen besuchen. Es ist daher kein Zufall, dass Wien Bestnoten für seine Lebensqualität erhält.
07.03.2013
Anlässlich der Wirtschaftsmission der Wirtschaftskammer Wien zum Mobile World Congress in Barcelona standen auch Gespräche mit Vertretern der Stadtregierung und der Wirtschaftskammer auf dem Programm. Es zeigte sich klar, dass sich eine moderne, lebenswerte Stadt auch unter Aufrechterhaltung traditioneller Wirtschaftsstrukturen erfolgreich weiterentwickeln kann. So ist es gelungen, die historisch gewachsenen Einzelhandelsstrukturen im gesamten Stadtgebiet zu erhalten. Dabei geht man äußerst rigide bis ablehnend bei der Genehmigung von Einkaufszentren vor. Die kleinstrukturierte Wirtschaft wird durch klar begrenzte Öffnungszeiten und Sonntagsruhe bewahrt und die Einkaufsstraßenvereine der Unternehmen bei der Erhaltung der Vielfalt und Lebendigkeit der Straßen und Viertel wesentlich unterstützt.
Entfaltungsmöglichkeiten für Zukunftsbranchen
Barcelona verfügt daher heute über eine vitale, dezentral organisierte Nahversorgung und eine hohe Kaufkraftbindung. Barcelona hatte und hat bis heute die Auswirkungen einer Deindustrialisierungswelle samt Neupositionierung des Hafenviertels zu bewältigen. Die erfolgreiche Bewerbung für die Olympischen Spiele 1992 wurde dabei bewusst als Stadtentwicklungsschub genutzt und umgesetzt. Für Industriebranchen wurden neue standortpolitische Stoßrichtungen verwirklicht. Den Zukunftsbranchen Neue Medien, Forschung, IKT, Biotechnologie und Aeronautic wurden umfassende Entfaltungsmöglichkeiten geboten, was tausende Unternehmensgründungen und –ansiedlungen hervorgebracht hat.
Wohnen, Wirtschaften und Arbeiten…
So konnten sich etwa im Entwicklungsgebiet 22@ rund 4500 Unternehmen vorrangig aus wissensbasierten Bereichen ansiedeln, die mittlerweile mehr als 55.000 Mitarbeiter beschäftigen. Auch heute sichert sich die Stadt laufend Entwicklungsflächen und bietet sie Unternehmen für Clustergründungen oder Technologieparks an. Das Grundkonzept von einer breit angelegten Durchmischung mit einem gleichwertigen Miteinander von Wohnen, Wirtschaften und Arbeiten, Lernen und Lehren, Kultur und Freizeitgestaltung wird jedoch konsequent verfolgt. Durch diese aktive Stadtentwicklungspolitik ist Barcelona eines der führenden Wirtschaftszentren Spaniens geworden, trägt 20 Prozent und damit überdurchschnittlich viel zur nationalen Wertschöpfung bei und ist auch im Export überdurchschnittlich erfolgreich.